Kampf um ein besseres Schulsystem: am Ende ist immer Resignation | KenFM.de

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12-06-20 10:01:00,

Offener Brief von Stephanie Richter und Einleitung von Dirk C. Fleck.

Stephanie Richter (46) ist eine engagierte und couragierte Kämpferin für ein grundlegend anderes Schulsystem. Die Pädagogin und Mutter einer erwachsenen Tochter wunderte sich bereits während ihres Studiums darüber, dass sämtliche reformpädagogischen Erfolgsgeschichten wenig bis gar keinen Einfluss auf die staatlichen Schulen haben. Zum anderen war sie bestürzt darüber, dass die Kinder auf das Thema, welches ihre Zukunft entscheidend mitbestimmen wird, nur sehr unzureichend vorbereitet werden, nämlich auf die systematische Zerstörung unserer Lebensgrundlagen, die das kapitalistische Gier-System weltweit in Szene gesetzt hat. Folgerichtig beschäftigte sie sich in ihrer Examensarbeit mit ihren negativen Erfahrungen in der Grundschule und deren Auswirkungen auf das Lernen. Die Arbeit zum 2. Staatsexamen hatte das Thema „Anbahnen eines ökologischen Bewusstseins über die ästhetische Auseinandersetzung mit der Natur.“ Ein Praxisbericht mit wunderbaren Ergebnissen, wie sie sagt. Die staatlichen Schulen nahmen sie immer gern.

Für Stephanie Richter waren diese Anstellungen allerdings eine ernüchternde Erfahrung, da sie keine Möglichkeiten vorfand, mit Kindern so arbeiten zu können, wie es ihrer Vorstellung vom Lernen entsprach. Als Konsequenz wechselte sie die Seiten und arbeitete sechs Jahre in einer Freien Alternativschule, bis diese aus finanziellen Gründen geschlossen werden musste. Danach war sie Privatlehrerin der Kinder einer renommierten Artistin und reiste mit dem Zirkus durch Frankreich. Später arbeitete sie in einem Waldkindergarten. Schließlich machte sie sich mit Naturerlebnis-Workshops selbständig. Kurze Exkurse als Vertretungslehrerin in verschiedenen staatlichen Grundschulen dienten ihr hin und wieder zum Geld verdienen. Manch eine Klasse kam dabei in den Genuss, z.B. einen Bachlauf zu erkunden oder einen Schnitz-Workshop im Wald zu machen. Mit Lehrerkollegen fanden viele ehrliche und wunderbare Gespräche statt. Am Ende jedoch siegte immer die Resignation, nach dem Motto „Man muss ja, was soll man denn machen?“

Zur Zeit arbeitet Stephanie Richter an einer demokratischen Schule in Nordhessen mit einem sehr engagierten Team zusammen. Um das Projekt auf Kurs zu halten, schrieb sie jetzt einen offenen Brief an das Team und an die Eltern der von ihnen betreuten Kinder, den wir hier gerne veröffentlichen.

Dirk C. Fleck

Offener Brief an das Team und die Eltern der Freien Schule

Liebe Team-Kollegen,

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