Propaganda der Macht

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13-06-20 06:18:00,

Am gefährlichsten ist das Fernsehen nicht dann, wenn es trivial ist, schrieb der US-amerikanische Medienforscher Neil Postman vor rund 35 Jahren in seinem aufsehenerregenden Buch „Wir amüsieren uns zu Tode“. Nein, am gefährlichsten ist das Fernsehen, wenn es vorgibt, anspruchsvoll und verantwortungsbewusst zu berichten. Selbst die seriösesten Themen müssten in kurzer und unterhaltsamer Form präsentiert werden. Das sei das grundlegende Funktionsprinzip des Fernsehens. Zu einer sinnvollen Erörterung von Problemen und zu guter Urteilsbildung der Zuschauer führe das jedoch nicht (1).

Einen erneuten Beleg für Postmans These lieferte kürzlich das ARD-Politmagazin „Report Mainz“. Es zeigte beispielhaft, wie auch Fernsehen mit seriösem Anspruch durch verknappte, oberflächliche und emotionale Präsentation eine vernunftorientierte Urteilsbildung verunmöglicht — und die Zuschauer damit zu gefährlichen Schlussfolgerungen animiert. In der Sendung vom 26. Mai 2020 befasste sich „Report Mainz“, das vom Südwestrundfunk (SWR) produziert wird, in einem Beitrag mit dem Thema Verschwörungstheorien und mit Menschen, die daran glauben.

Anlass waren die bundesweiten Demonstrationen gegen die politischen Corona-Maßnahmen. Der Anlass ist jedoch austauschbar. Schon seit vielen Jahren befassen sich etablierte Medien regelmäßig mit dem nicht definierten und thematisch sehr weit offen gehaltenen Phänomen „Verschwörungstheorie“. Der rassistische Massenmord in Hanau war genauso ein Anlass dazu wie der 50. Jahrestag der Mondlandung im vergangenen Jahr. Nun also Corona.

Der mediale Tenor ist dabei durchgängig derselbe: Verschwörungstheorien sind vollständig abzulehnen (2). Nur der Takt wird immer schneller und der Ton wird immer schärfer. Seit einigen Monaten bringen etablierte Medien die Menschen, die sie als „Verschwörungstheoretiker“ bezeichnen, durchgängig mit Gewalt und gefährlichen psychischen Störungen in Verbindung.

Tatsächlich ist es schon seit vielen Jahren üblich, dass sich Medienberichte nicht um Sachfragen zu potenziellen Verschwörungen drehen, sondern sich nur — und das meist abschätzig — um Motive und Psyche der Menschen kümmern, die potenzielle Verschwörungen hinterfragen.

Dementsprechend war schon absehbar, dass es sich auch beim „Report Mainz“-Beitrag nicht um eine erkenntnisorientierte Auseinandersetzung mit einem politisch interessanten Phänomen oder um eine faire Berichterstattung über Regierungskritiker handeln wird. Der Titel des Beitrags lautete denn auch „Wie Menschen in Parallelwelten abgleiten“.

Analysieren wir den Beitrag Schritt für Schritt und schauen, was dort wie und warum passiert.

Bevor der rund sechsminütige Bericht beginnt, moderiert Chefredakteur Fritz Frey ihn an. Verschwörungstheorien seien ein altbekanntes Phänomen,

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