‘Collateral Murder’ und das Massaker von Mỹ Lai

‘collateral-murder’-und-das-massaker-von-my-lai

14-06-20 08:28:00,

Der Journalist, der das Massaker von Mỹ Lai mitaufdeckte, wurde von der New York Times übernommen. Julian Assange, der die Morde an irakischen Zivilisten mitaufdeckte, sitzt – genau so wie die Whistleblowerin Chelsea Manning – in Haft. Der Vergleich der Reaktionen auf die Beweise zweier Kriegsverbrechen offenbart, wie sehr sich die USA in den letzten 50 Jahren verändert haben, schreibt Joe Lauria. Übersetzung aus dem Englischen: Susanne Hofmann.

‘Collateral Murder’ und das My-Lai-Massaker

Um den Wandel der Reaktionen vonseiten des US-Militärs, der Mainstream-Medien und der Öffentlichkeit auf ein US-Kriegsverbrechen abzuschätzen, muss man nur die Reaktion auf zwei der abscheulichsten amerikanischen Verbrechen vergleichen: das My-Lai-Massaker in Vietnam und das Abknallen unschuldiger Iraker auf einer Straße in Bagdad im Jahr 2007.

Von letzterem gibt es ein Video, das vom Cockpit des angreifenden Apache-Helikopters aus aufgenommen wurde und vor zehn Jahren von WikiLeaks veröffentlicht wurde. WikiLeaks erhielt das Video von der gewissenhaften Nachrichtendienst-Analytikerin Chelsea Manning.

Der My-Lai-Vorfall wurde im November 1969 durch die Berichterstattung des investigativen Journalisten Seymour Hersh öffentlich bekannt gemacht. Ein Whistleblower, der ehemalige Vietnam-Soldat Ronald Ridenhour, hatte Anfang 1969 zunächst an das Weiße Haus, das Pentagon, das Außenministerium und an Kongressmitglieder geschrieben und glaubwürdige Details zu dem Massaker enthüllt. Dies führte zu einer Untersuchung des Vorfalls durch das Militär.

Die ergab, dass Soldaten der US-Armee am 16. März 1969 im Dorf My Lai 504 unbewaffnete Menschen getötet haben, Männer, Frauen und Kinder. Einige Frauen wurden Opfer von Massenvergewaltigungen durch Soldaten. Die militärischen Ermittlungen führten dazu, dass 26 Soldaten angeklagt wurden. Nur einer, Leutnant William Calley Junior, ein Kommandant des ersten Platoon der C-Kompanie, wurde verurteilt. Er wurde des vorsätzlichen Mordes an 109 Dorfbewohnern für schuldig befunden. Von seiner lebenslänglichen Haftstrafe verbüßte er letztlich nur dreieinhalb Jahre unter Hausarrest.

Doch Calleys Verurteilung wurde vom Militär weitgehend vertuscht. Die New York Times brachte am 7. September 1969 lediglich einen kurzen Artikel der Nachrichtenagentur Associated Press mit wenigen Angaben. Hersh jedoch hörte von dem Vorfall durch eine Quelle im Militär und begann herumzustochern. Schließlich gelang es ihm, Calley in Georgia aufzuspüren und durfte sogar Notizen zu seinem Fall lesen, die unter Verschluss waren. Hersh hatte seine Story beisammen. Er bot sie den Zeitschriften Look und Life an,

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: