Armut: „Die gesellschaftliche Kluft wird von Medien verfestigt“

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16-06-20 09:05:00,

Wenn Medien über Armut und die Angehörigen der unteren Schichten berichten, liegt oft vieles im Argen. Das ist der Befund von Bernd Gäbler, der sich für die Otto-Brenner-Stiftung unter dem Titel „Armutszeugnis – Wie das Fernsehen die Unterschichten vorführt“ des Themas angenommen hat. „Armut ist ein zentrales gesellschaftliches Problem, wird aber an den Rand der Aufmerksamkeit gedrängt“, sagt Gäbler im NachDenkSeiten-Interview. Zudem stellt Gäbler fest, dass Medien „mit zu geringer Neugier und zu wenig Respekt berichten.“ Der Professor für Journalistik an der FHM Bielefeld wirft bestimmten TV-Formaten vor, dass sie unter dem Deckmantel der Dokumentation Menschen vorführen. Von Marcus Klöckner.

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Wie berichten Medien über das Thema Armut?

Oft unzureichend, gelegentlich mit gutem Willen und viel zu häufig so, dass ohnehin bestehende Ressentiments bekräftigt, ja noch verstärkt werden.

Der Reihe nach. Sie haben sich in einem 84-seitigen Arbeitspapier für die Otto-Brenner-Stiftung mit dem Thema Armut und Medienberichterstattung auseinandergesetzt. Warum ist dieses Thema von Bedeutung?

Weil die sozialen Unterschiede und Konflikte ein großes und grundsätzliches Problem unserer reichen Gesellschaft sind, über Armut aber mit zu geringer Neugier und zu wenig Respekt berichtet wird.

Die Wirklichkeitsbilder, die in den Medien vorkommen, haben Auswirkungen auch auf die konkrete Lebensrealität. Was bedeutet es, wenn Medien eine verzerrte Berichterstattung zum Thema Armut abliefern?

Dass die ohnehin bestehende Ausgrenzung sich weiter verfestigt. Bestimmte soziale Gruppen und kulturelle Milieus begegnen sich kaum noch: Man wohnt in anderen Stadtvierteln, geht woanders einkaufen, ist in der Freizeit in anderen Kneipen, Clubs oder Sportvereinen, geht in andere Konzerte. Selbst die Trink- und Essgewohnheiten differieren zunehmend. Armut ist ein zentrales gesellschaftliches Problem, wird aber an den Rand der Aufmerksamkeit gedrängt.

Wie sind Sie für Ihre Kurzstudie vorgegangen?

Ich habe vor allen Dingen sehr, sehr viel Fernsehen geschaut – querbeet alle einschlägigen Sender, und über hundert Stunden Sendungen von RTLzwei, die ansonsten von der Fernsehkritik wenig beachtet werden. Es ist also eher ein durch Beobachtung gestützter größerer Essay, keine empirische Studie.

Worauf haben Sie noch geachtet?

Ich habe sehr genau hingeschaut, besonders auf die jeweiligen Inszenierungsstrategien.

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