Das Feld der Heilung

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17-06-20 09:23:00,

In den Tagen des staatlich verordneten Hausarrests, der sich inzwischen als wirkungslos und unnütz herausgestellt hat (1), ging mir immer wieder ein Märchen durch den Kopf, das Märchen vom Eisenofen (2). Hierin wird ein Prinz von einer Hexe verwünscht und muss fortan eingesperrt in einem Eisenofen leben.

Ein ähnliches Bild findet sich in dem Mythos Die drei Männer im Feuerofen. Hier werden Männer in einen glühenden Ofen gesperrt, weil sie sich weigern, die Götter der Besatzungsmacht anzubeten (3). In beiden Fällen geht es um einen Akt von Machtmissbrauch und Willkür.

In der Symbolsprache der Märchen und Mythen steht der Ofen für einen Ort der Bewährung und der Transformation. Er ist eine Art alchemistisches Gefäß, in dem sich etwas Neues auskochen will. Dort wird einem höllisch eingeheizt, man kommt gewaltig unter Druck, gerät in Angst und Panik. Wie bei einem Schmelzofen, in dem die Schlacke vom Gold getrennt wird, geht es auch in diesem Feuerofen darum, Wertloses und Unnützes loszulassen, damit Wesentliches hervortreten kann.

Die Märchen und Mythen erzählen davon, dass die Betroffenen diese Tortur unbeschadet überstehen. Weil sie sich auf den Wandlungsprozess eingelassen haben, gehen sie erlöst und gestärkt aus ihm hervor.

Jeder Tag, den wir zurzeit erleben, ist für mich ein Tag in einem solchen Feuerofen. Die bedrohlichen äußeren Umstände zwingen mich förmlich dazu, mich auf das zu besinnen, was wirklich trägt und zählt. Sie helfen mir, mich an die Stelle in meinem Inneren zu begeben, an der ich unangreifbar bin.

Wenn ich mich so von der Oberfläche in meine innere Tiefe hinabbegebe, entdecke ich eine ruhige und sanfte Kraft in mir, die mein wahres, unzerstörbares Wesen darstellt. Es ist die überwältigende Kraft der liebenden Güte.

Sie entpuppt sich und wird spürbar — in mir und uns allen — als eine sprudelnde Quelle des Glücks.

Es ist ein Glück, welches das Leid nicht ausklammert. Im Gegenteil: Es ist ein Glück, das bereit ist, zu seiner Bewahrung und Ausbreitung auch Leid und Bedrängnis in Kauf zu nehmen.

Die Hauptursache der Krisen der modernen westlichen Gesellschaften, so der humanistische Psychologe Erich Fromm (1900 bis 1980), liegt in der Unfähigkeit des Menschen, sein Glück ernst zu nehmen (4). Der Dichter Hermann Hesse (1877 bis 1962)drückt es so aus:

„Das Unglück in der Welt kommt daher,

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