Diversität in den Medien: Wunsch ohne Praxis

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17-06-20 09:06:00,

Ein eher seltenes Bild, aufgenommen an deutschen Jugendmedientagen 2019.

Daniela Gschweng / 17. Jun 2020 –

Wer Vielfalt will, sollte wenigstens anfangen zu zählen. Und das ist noch lange nicht genug, sagt eine deutsche Studie.

Seit dem Tod von George Floyd ist Rassismus das Thema der Stunde – in den Medien und auch auf der Strasse. Tausende versammelten sich, um gegen strukturellen Rassismus zu demonstrieren, nicht nur in den USA. Auch in der Schweiz werden Migranten oft nicht gehört und ihre Anliegen nicht gesehen, bestätigen spätestens die Interviews aus den letzten Wochen.

Viele Medien haben sich vorbildlich der Aufgabe gewidmet, mit Migranten zu sprechen, statt über sie zu schreiben. Dass Migranten über andere Migranten – oder überhaupt über irgendein Thema – berichten, passiert jedoch quasi nie. Medienschaffende mit Migrationshintergrund haben Seltenheitswert.

«Viel Wille, kein Weg»

Das sagen zumindest die verfügbaren Zahlen. Die jüngste Untersuchung über Diversität in den Medien knöpfte sich die deutschen Chefredaktionen vor und trägt den vielsagenden Titel «Viel Wille, kein Weg». Erstellt wurde sie vom Verein «Neue Medienmacher», der sich für Vielfalt in den Medien einsetzt. Die «Neuen Medienmacher» schrieben 122 der reichweitenstärksten deutschen Medien aus den Bereichen Print, Online, Radio und TV an und führten mehrere Einzelinterviews.

Dass Diversität als strategisches Ziel fast allen Medienhäusern wichtig ist, bestätigte die hohe Rücklaufquote von 90 der 126 Angeschriebenen. Nur: Zum Ziel fehlt anscheinend eine greifbare Strategie. Dort, wo die Macht sitzt, suchten die «Neuen Medienmacher» Vielfalt vergebens. – Für die Schweiz gibt es keine repräsentativen Untersuchungen.

Wo die Macht ist, kommt Diversität nicht hin

Von den 126 befragten Chefredaktorinnen und Chefredaktoren sind 118 Deutsche ohne Migrationshintergrund. Die übrigen acht Personen stammen sämtlich aus Europa, meist aus Nachbarländern, die nur wenig als «fremd» erlebt werden, wie etwa aus Luxemburg, aus Holland oder aus der Schweiz. Keine einzige befragte Person ist schwarz oder stammt aus einer muslimischen Gemeinschaft. Türkische, polnische oder russischsprachige Mitglieder als Repräsentanten der grössten Einwanderergruppen gibt es in deutschen Chefredaktionen nicht.

Keine Zahlen, keine Strategie

Die Untersuchung konzentriert sich auf Personen mit Migrationshintergrund, in anderen Bereichen sieht es aber wenig besser aus. Der Frauenanteil in Führungspositionen liegt nur bei wenigen deutschen Medien über 40 Prozent, bei den meisten nicht über 30 Prozent,

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