Bewegung gegen Rassismus: Bilder werden gestürmt, Systeme werden verschont

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18-06-20 09:47:00,

Filme und Bücher werden verdammt, Denkmäler gestürzt, das Grundgesetz wird von der „Rasse“ befreit: Es scheint, als solle in einem „Kampf gegen die Sprache“ alles fallen, außer dem zugrundeliegenden Wirtschafts- und Rechtssystem. Die Wut über aktuelle Polizeigewalt und die Fixierung auf Symbolik und Historie sind nachvollziehbar – aber auch ablenkend und oberflächlich. Von Tobias Riegel.

Die aktuellen Proteste gegen Rassismus richten sich zum einen gegen akute Polizeigewalt. Eine weitere starke Strömung richtet den Blick auf die Vergangenheit und deren Spuren in Filmen, Büchern, Statuen und Gesetzestexten. Beide Sichtweisen sind einerseits sehr nachvollziehbar. Andererseits arbeiten sich aber beide an Symptomen ab, nicht an Ursachen, und verharren damit an der Oberfläche. Außerdem kann der Überschwang der historischen Korrekturen zum Teil auch als Zensur empfunden werden.

Denkmäler, Bücher, Filme auf dem Prüfstand

Es werden dieser Tage in den USA umstrittene Denkmäler angegriffen, wie Medien berichten, und die Diskussion darüber läuft auch in Deutschland. Hierzulande kommt noch die Debatte dazu, ob der Begriff „Rasse“ aus dem Grundgesetz gestrichen werden sollte. Die Bewegung gegen Rassismus hat auch den Kultur- und Unterhaltungsbetrieb erfasst: So nimmt laut Medienberichten der US-Streamingdienst HBO den Film “Vom Winde verweht” aus dem Programm und möchte ihn künftig mit kritischen Hinweisen versehen. Der britische Sender BBC nahm demnach die Comedy-Serie “Little Britain” aus ihrer Mediathek, weil weiße Darsteller als Asiaten oder Schwarze auftraten. Der Streaming-Dienst Netflix hat die BBC-Produktionen „The Mighty Boosh“ und „The League of Gentlemen“ aus dem Programm genommen, weil darin “blackfacing” vorkommt, bei dem sich Personen schwarz anmalen. In den Hinweisen des Tages hat Jens Berger kürzlich kritisch auf die Entfernung einer Episode der Serie „Fawlty Towers“ bei einem britischen Streaming-Dienst hingewiesen. Und auch Hollywood simuliert aktuell zumindest nach außen Betriebsamkeit in der Überprüfung der eigenen, teils rassistisch geprägten Geschichte.

Polizeigewalt stößt Kulturdebatte an

Da sich auch diese Kulturdebatte indirekt durch Polizeigewalt und den Fall George Floyd verschärft hat, hier noch einige Worte zur Debatte um die Rolle und die Verfassheit der Polizei. Das wohl infamste aktuelle Beispiel für eine prinzipielle Dämonisierung der Polizei und der dort arbeitenden einzelnen Personen findet sich in Form eines viel diskutierten Kommentars in der taz.

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