Männerfantasien als Staatsideologie

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19-06-20 07:57:00,

In der rechtsradikalen Gesinnung, die auch in den modernen Demokratien, die allesamt der Nationenkonkurrenz dienen, leicht in den politischen Faschismus umkippen kann, wird der Mythos des starken, unbezwingbaren Mannes auf die Spitze getrieben. „Schlank und rank, flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl“ sollten laut Adolf HitlersRede 1935 in Nürnberg die Hitlerjungen sein (1). Absolute Gefühllosigkeit und militärischer Gehorsam werden hier als das oberste Männerideal postuliert. Angst, Schmerz oder gar Mitgefühl sollen keinen Platz haben in einer völlig entpersönlichten Männerpsyche.

Vermeintliche Schwäche muss gnadenlos und mit aller Härte unterdrückt werden, bei sich wie bei anderen. Der eigene Körper soll wie eine stählerne Maschine funktionieren und dauerhaft Höchstleistungen bringen. Der faschistische Mann wird zum instinktgesteuerten Killer. Er versucht sein Ich ganz in der Identifikation mit der Idee eines rassenreinen Volkes aufgehen zu lassen. Er ist herrisch, und er unterwirft sich. Seine Lust ist sadistisch und masochistisch im Wechsel.

Haltungen des Militarismus und Imperialismus werden in diesem Kontext auch auf sexuelle Beziehungen übertragen. Kämpfen erzeugt Lustgefühle, und Sex ist Teil des Kampfes ums Dasein. Frauen sind dazu da, Männer für ihr kriegerisches Heldentum zu bewundern und sich zum Lohn für Sex zur Verfügung zu stellen. Das faschistische Weltbild beruft sich auf das vermeintliche Naturgesetz, dass nur der Stärkere überleben werde. Es könne somit auch nur einen geben, der ganz oben in der gesellschaftlichen Hierarchie stehe. Wer das schaffe, sei zurecht der allmächtige und unfehlbare „Führer“. Er müsse gottgleich verehrt werden. Unter ihm stehend gibt es die Unterführer mit ihren jeweiligen Gefolgsleuten, die sich ähnlich selbstgerecht verhalten dürfen.

Diese zur Staatsideologie erhobene Männerfantasie von absoluter Macht und Kontrolle kann ebenso von Parteien unter das Volk gebracht werden, die sich „kommunistisch“ nennen.

Was dabei herauskommt, wenn Männer die Herrschaft reklamieren, die keinerlei Verantwortung für sich selbst und ihre traumatisierte Psyche übernehmen, ist absehbar: Krieg, Chaos, Zerstörung, Unterdrückung, Lug und Betrug.

Ergänzend zu diesem Prinzip der allmächtigen Vaterfigur des obersten Staatenlenkers wird ein Mutterideal propagiert, das sich darin erfüllt, Kinder für den totalitären Staat zu gebären. Wie diese Mütter mit ihren Kindern umgehen sollen, hatte in der Zeit des faschistischen deutschen Imperialismus Johanna Haarer (1934) den Frauen in „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ bis ins Detail in ihr Stammbuch geschrieben: keinen Körperkontakt, keine Liebe, Abhärtung und Frustration der kindlichen Bedürfnisse — also systematisches Erzeugen von Bindungstraumata von Anfang an.

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