Verordnete Regression

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19-06-20 07:58:00,

Was seit Mitte März 2020 im Zuge der Corona-Pandemie passierte, geschah so unglaublich schnell, dass eine normale menschliche Psyche damit nicht schritthalten konnte. Vieles, was unsere Normalität bislang ausgemacht hatte, wurde von einem Moment auf den nächsten eingestampft: Begegnungen, Kunst, Konsum, ein geregelter Arbeitsalltag, fremd betreute Kinder, Selbstbeschäftigung und Zerstreuung. Vieles fiel schlagartig weg, was Franz Ruppert, psychologischer Psychotherapeut und Professor für Psychologie an der katholischen Stiftungshochschule in München, als Trauma-Überlebensstrategie bezeichnet.

Die Überlebensstrategie ist eines der drei Ich-Anteile, in welche die Psyche laut Ruppert nach einem traumatischen Erlebnis zerfällt. Ihre Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass der Betroffene die traumatisierten Anteile und den damit verbundenen unaushaltbaren Schmerz nicht spüren muss. Ruppert geht davon aus, dass wir alle in unserer Kindheit, allein schon durch Fremdbetreuung und Geburtstrauma, traumatisiert sind, von Gewalterfahrungen und dem weit verbreiteten, tabuisierten sexuellen Trauma ganz zu schweigen.

Die aktuellen Corona-Eindämmungsmaßnahmen fungieren hierbei als überdimensionaler kollektiver Trigger, so Ruppert.

Dabei schreibt er dem Staat, also den Regierenden, die Elternfunktion zu, während die Bürger in der Rolle des traumatisierten Kindes feststecken. Die Lockerungspolitik erinnere zum Beispiel viele an restriktives Erziehungsverhalten der Eltern.

Es sei wie bei Ausgehzeiten, die etwas ausgeweitet würden, wenn das Kind brav sei, jedoch wieder verkürzt werden oder der Ausgang ganz verboten wird, wenn das Kind die Regeln bricht. Das social distancing rufe die Erfahrung wach, als Kind allein gelassen worden zu sein. Ruppert erzählt sogar von einer seiner Patientinnen, die keine Masken tragen kann, da es sie an ihr sexuelles Trauma erinnert. Sie verspürte das Gefühl, ihr komme jemand viel zu nahe und überschreite massiv ihre Grenzen.

Die Menschen seien, so Ruppert, „traumatisiert durch traumatisierte Eltern“ und würden nun „erneut traumatisiert durch traumatisierte Politiker“. Jeder Täter betont er hierbei, sei auch immer einmal Opfer gewesen. Damit steigt er aus sämtlichen Feindbildkonstruktionen aus und erkennt die Menschlichkeit und Verletztheit aller offen an. Für viele Menschen seien die Auswirkungen der Krise verbunden mit existentiellen Gefühlen wie Angst, Ohnmacht, Hilf- und Ausweglosigkeit.

In solchen Situationen greifen Menschen normalerweise auf drei Verhaltensmuster zurück: Flucht, Angriff oder Erstarren. Eine Flucht, außer in die Dissoziation, ist allein schon aufgrund der physischen Begrenzung, der geschlossenen Grenzen und der begrenzten Bewegungsfreiheit quasi nicht mehr möglich. Ein Angriff, also Widerstand gegen das System und die Politik der Regierung,

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