Der Tod in Italien

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20-06-20 10:56:00,

Folgt man dem Link zu der Seite, wo angeblich die Zahlen der in Italien Gestorbenen für die Jahre 2016 bis 2020 notiert sind, kann man alles Mögliche zur Demographie Italiens abfragen. Die Frage, deretwegen man die Seite angeklickt hat, wird allerdings nicht beantwortet (1). Trotzdem war der Hinweis lehrreich — wenn man versucht, die Zahl der in Italien Verstorbenen doch noch zu finden …

Man stößt auf alles Mögliche. Am beliebtesten sind Vergleiche mit der identischen Periode früherer Jahren. Das italienische Istat (Istituto Nazionale di Statistica) nimmt den Zeitraum vom 20. Februar bis zum 31. März 2020 und kommt auf etwa 91.000 Verstorbene. In den Jahren 2016 bis 2019 seien lediglich 66.000 Menschen verstorben, dieses Jahr hätten wir also +25.000 oder 13,8 Prozent mehr. Im Zentrum, etwa von Florenz bis Rom, und südlich davon sind die Zahlen ungefähr gleich, im Norden verhalten sie sich 56.000 zu 32.000, das bedeutet +24.000 oder 17,5 Prozent, davon in der Lombardei 27.000 zu 11.000, also +16.000 oder 24,5 Prozent, in Bergamo allein 6.238 zu 1.180, das heißt +5.058 oder 528,6 Prozent (2).

In dem gewählten Zeitraum vom 20. Februar bis 31. März der Jahre 2016 bis 2019 war in epidemiologischer Hinsicht nichts los. Die Grippesaison in Italien liegt, grob gesagt, im Januar. Im März ist in der Regel alles vorbei. Wenn sich heute ein Unfall im Bahnverkehr ereignet, kann ich dann mit dem Verweis auf den gleichen Tag im Vorjahr oder der letzten fünf Jahre eine Aussage über die Sicherheit der Eisenbahn machen? Natürlich kann ich und komme — in der Regel — auf grandiose Zahlen, aber jeder wird sagen: Moment mal!

Interessanter wäre ein Jahresüberblick. Von 2014 auf 2015 gab es in der Lombardei — ähnlich in ganz Italien — eine Steigerung von 9,1 Verstorbenen pro 1.000 Einwohner auf 9,9, also 8,8 Prozent mehr (3). Das ist weniger als 24,5 Prozent, aber das Jahr 2020 ist ja noch nicht vorbei. Den Grippewellen 2014/15 und 2015/16 in Italien werden 20.259 beziehungsweise 15.801 Tote zugerechnet, für 2016/17 sogar 24.981 (4). Das sind Werte, die mit den jetzigen Zahlen vergleichbar sind, aber für Gesamtitalien nur zu einer Steigerung von 9,8 auf 10,7 je 1.000 Einwohner geführt haben, was ein Plus von 9,2 Prozent bedeutet.

Offenbar wirkt es sich auf den Durchschnittskorridor der Mortalitätsrate nicht sonderlich aus,

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