Der Rassismus im Freund- und Feindbild

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21-06-20 07:23:00,

Der Rassismus im Freund- und Feindbild

by Hermann Lueer / NEUE DEBATTE

Ausgrenzung-Feindbild-Stigmatisierung-Verleumdung-Verunglimpfung-Rassismus-Borniertheit-Kritisches-Netzwerk-Entmenschlichung-Entwuerdigung-SelbstueberhoehungVor ungefähr einhundert Jahren schrieb Kurt Tucholsky folgendes Gedicht: „Die Dänen sind geiziger als die Italiener. Die spanischen Frauen geben sich leichter der verbotenen Liebe hin als die deutschen. Alle Letten stehlen. Alle Bulgaren riechen schlecht. Rumänen sind tapferer als Franzosen. Russen unterschlagen Geld. Das ist alles nicht wahr – wird aber im nächsten Krieg gedruckt zu lesen sein.“ [1]

Dass Nationalismus und Rassismus für die Kriegsbereitschaft der Bevölkerung nützlich und erforderlich sind, ist kein Geheimnis. Damit ein Mensch bereit ist, Bomben über fremden Wohngebieten abzuwerfen, bedarf es in der Tat einer die anderen Menschen verallgemeinernden abwertenden Beurteilung.

Je stärker der Krieg zwischen den Nationen tobt, je rücksichtsloser gegen die materiellen Grundlagen der feindlichen Nation einschließlich ihrer Bevölkerung vorgegangen wird, desto mehr bedarf es des nationalen Feindbildes, dass sich aus tausend Idiotien und Gemeinheiten zusammensetzt und einen unverbesserlich schlechten, unerträglichen Charakter konstruiert. In diesem Sinne hat Kurt Tucholsky Recht: Das ist alles nicht wahr – wird aber im nächsten Krieg gedruckt zu lesen sein.

Dass der Nationalismus im Krieg seine rassistischen Blüten treibt, ist aber nur die halbe Wahrheit. Die weltweite Kriegsbereitschaft fängt nämlich nicht erst an, wenn auf beiden Seiten der Verteidigungsfall ausgerufen wird. Kriege werden bereits im Frieden vorbereitet. Die prinzipielle Bereitschaft, die „legitimen“ Interessen der eigenen Nation gegen die Interessen anderer Nationen zu „verteidigen“, ist in allen Nationalstaaten die selbstverständliche patriotische Grundhaltung der Mehrheit der Bevölkerung und damit die Grundlage für Rüstung und Krieg.

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Das Nationalbewusstsein – ich bin Schweizer, ich bin Franzose, ich bin Russe oder Türke –, die Identifikation mit der eigenen Nation, gilt aber gemeinhin als unbedenklich. Erst ein übersteigertes Bewusstsein vom Wert und der Bedeutung der eigenen Nation, das die eigene Nation glorifiziert und andere Nationen herabsetzt, gilt in Friedenszeiten als bedenklicher Nationalismus in dem viele dann auch einen Rassismus gegen andere Völker erkennen. Diese grundsätzliche Unterscheidung zwischen patriotischem Nationalbewusstsein und nationalistisch übersteigertem Nationalbewusstsein ist aber unlogisch.

AfD-Deutsche-Blau-ist-das-neue-Braun-Neue-Rechte-Rechtsradikalismus-Rechtsextremismus-Rechtspopulismus-Kritisches-Netzwerk-Guido-Kuehn-Gauland-Hoecke-BurschenschaftWenn die Steigerung des Nationalbewusstseins zu Nationalismus führt, dann muss der Keim für Nationalismus und Rassismus bereits in dem für viele selbstverständlichen Nationalbewusstsein enthalten sein.

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