Die Corona-Mauer ist gefallen, die Unsicherheit bleibt

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21-06-20 06:50:00,

Warten auf die Öffnung der Grenze. Foto: Ralf Streck

Spanien hat den “Alarmzustand” genauso merkwürdig beendet, wie er begonnen hat und das Chaos um Opferzahlen wird nicht aufgelöst

Zum Sommeranfang um Null Uhr in der Nacht auf den heutigen Sonntag beendete Spanien den Alarmzustand. Und damit wurde auch die Mauer eingerissen, die 14 Wochen zwischen Spanien und Frankreich errichtet worden war und die das Baskenland und Katalonien geteilt hatte. Sie hatte beidseits der Grenzen für erheblichen Unmut gesorgt.

Als dann um Mitternacht die französische Polizei in Behobie und auf der anderen Flussseite in Behobia die spanische Nationalpolizei und die paramilitärische Guardia Civil die Absperrungen abräumten, kam dann ein wenig Feierstimmung auf. Mitten in der Nacht spazieren Menschen lachend über die Grenze, um den Vorgang zu feiern. Peio ging von Behobia nach Behobie in die Kneipe Xaia, um nach 98 Tagen mit Freunden ein Bier zu trinken.

Dass der Stadtteil Iruns im spanischen Baskenland und Urruñas im französischen Baskenland praktisch den gleichen Namen haben, zeigt die Verbundenheit beider Stadteile an, die durch eine Brücke über den Bidasoa verbunden sind. Das Leben findet hier beidseits der Grenze statt, die die Menschen nun schmerzlich zu spüren bekamen. Mehr als drei Monate war dieser Übergang wie viele andere komplett gesperrt. Auf weiter Flur gab es nur noch den Übergang auf der “Internationalen Brücke” zwischen Hendaye und Irun, auf der sich einst Hitler und Franco die Hand reichten.

Grenzbarrieren werden um 24 Uhr entfernt. Foto: Ralf Streck

Der Übergang wurde bisher streng von französischen und spanischen Sicherheitskräften bewacht und scharf kontrolliert. Für die Bewohner der Region wie Gema, die wie viele aus dem französischen Baskenland leben, aber im spanischen Teil arbeiten, war es eine grausige Zeit. Sie durfte zwar zur Arbeit über die Grenze, aber “das war eine tägliche Tortur”. Der Übergang in Hendaye wurde zum Nadelöhr mit riesigen Staus am Morgen und am Abend.

Noch dramatischer war die Lage für Jean Pierre, der im französisch-baskischen Sara lebt und im spanisch-baskischen Bera arbeitet. Statt wie üblich 11 Kilometer und knapp 20 Minuten zurückzulegen, musste er 45 Kilometer über Hendaye fahren, reine Fahrzeit: eine Stunde. Dazu kamen lange Staus und Kontrollen. “Zwei Stunden musste ich für die Hin- und Rückfahrt täglich einrechnen”,

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