Ausschreitungen in Dijon. Was steckt dahinter?

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22-06-20 01:12:00,

Etwa hundert Männer, mit Eisenstangen und mit Schusswaffen bewaffnet, sorgten vergangene Woche mehrere Tage und Nächte lang in Dijon, genauer gesagt im Stadtviertel Grésilles und in der benachbarten Gemeinde Chenôve, für Unruhe. Sie setzten Autos in Brand, zündeten Mülleimer an, verprügelten die Einwohner und schossen um sich herum. Es gab mehrere Verletzte und einigen Berichten zufolge auch einen Toten. Die Ereignisse spielten sich zwischen dem 10. und 17. Juni ab. – Hat der Protest der Arbeiter und der Gelbwesten gegen die Politik der Regierung Macron nun auch Dijon erreicht? Mitnichten. Mit sozialen Protesten hatten die Unruhen in Dijon nichts zu tun. Trotzdem ist daraus eine politische Affäre geworden. Von Marco Wenzel.

Inmitten der Flut von Reaktionen nach den Ereignissen seit dem 10. Juni ist es schwierig, die Wahrheit der Behauptungen aller Beteiligten und Zeugen zu beurteilen. Manche sagen, es habe sich um einen Konflikt zwischen verschiedenen Gruppen der Gemeinde gehandelt, für andere handelte es sich um einen Bandenkrieg vor dem Hintergrund des Drogenhandels und für andere wiederum war es nur eine Frage der Ehre nach einem Angriff auf einen jungen Mann. Eine Mischung aus all diesen Motiven zusammen dürfte der Wahrheit wohl am nächsten kommen.

Was war geschehen?

Grésilles ist ein Stadtviertel von Dijon, der Hauptstadt der Bourgogne, die den meisten Deutschen wohl eher wegen seiner Weine bekannt sein dürfte. In der Umgebung von Dijon werden die exzellenten Burgunderweine hergestellt. Dijon hat 155.000 Einwohner, im Stadtviertel Grésilles wohnen etwa 7.500 Menschen, davon aber nur wenige Tschetschenen. In ganz Frankreich dürften es etwa 70.000 Tschetschenen sein, die dort ansässig sind. Es wird geschätzt, dass seit Beginn des zweiten Tschetschenienkrieges 1999-2000 etwa 200.000 Menschen Tschetschenien verlassen haben.

Unmittelbarer Auslöser der Unruhen der vergangenen Woche war jedenfalls das Verprügeln eines jungen Mannes tschetschenischer Herkunft im Stadtviertel Grésilles in der Nacht von Dienstag, 9. Juni, auf Mittwoch, 10. Juni, durch Männer aus dem Maghreb. Scheinbar suchte der junge Tschetschene zusammen mit einem Freund nach denjenigen, die ihrerseits wiederum kurz zuvor einen ihrer Freunde verprügelt hatten. Vor einer Shisha-Bar kam es dann zu Auseinandersetzungen mit Männern vornehmlich aus dem Maghreb, die damit endeten, dass der junge Tschetschene krankenhausreif geschlagen wurde.

The honor is at stake

Das erneute Verprügeln eines jungen Tschetschenen war des Guten einmal zu viel.

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