Mehr als nur 99 (Heiß-)Luftballons

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23-06-20 10:23:00,

Seit der Sprengung des innerkoreanischen Liaisonbüros in der nordkoreanischen Grenzstadt Kaesong vor einer Woche herrscht auf der Halbinsel erneut Starrheit in Bewegungen. Von Rainer Werning.

Die Demokratische Volksrepublik Korea (DVRK – Nordkorea) hat am vergangenen Dienstag (16. Juni) das erst im September 2018 eingerichtete gemeinsame innerkoreanische Verbindungsbüro in seiner Grenzstadt Kaesong gesprengt und damit die Spannungen auf der Halbinsel verschärft. Wenige Tage zuvor hatte deren politische Führung einen solch drastischen Schritt angedroht, um sich wegen gezielter antikommunistischer Propaganda aus der Republik Korea (ROK – Südkorea) zu revanchieren. Die Sprengung erfolgte laut Angaben des Vereinigungsministeriums in Südkoreas Hauptstadt Seoul um 14.49 Uhr Ortszeit.

Der Norden ergriff diese Maßnahme, weil es die südkoreanische Regierung unter Präsident Moon Jae-In seiner Meinung nach versäumt habe, Überläufer und erzreaktionäre südkoreanische Aktivisten daran zu hindern, wiederholt Heißluftballons mit Anti-Pjöngjang-Flugblättern über die Grenze zu senden. Wenige Tage zuvor hatte bereits Kim Yo-Jong, die Schwester des nordkoreanischen Staatschefs Kim Jong-Un und erste stellvertretende Abteilungsleiterin des Zentralkomitees der regierenden Partei der Arbeit Koreas (PdAK), in einer von der staatlichen Nachrichtenagentur Korean Central News Agency (KCNA) verbreiteten Mitteilung erklärt: „Ich fühle, dass es höchste Zeit ist, mit den südkoreanischen Behörden zu brechen. Wir werden bald die nächste Aktion in Angriff nehmen”.

Das „Recht zur Durchführung der nächsten Aktion”, so Frau Kim weiter, liege „beim Generalstab unserer Armee”. Gemeint war damit offenbar die Sprengung des Liaisonbüros in Kaesong, das sie als „nutzlos” bezeichnete. Der Generalstab der nordkoreanischen Volksarmee überprüft derweil einen Aktionsplan, um bereits „entmilitarisierte“ Zonen an der Grenze wieder mit Soldaten zu besetzen und das Terrain insgesamt erneut zu einer Art Befestigungsanlage auszubauen. Auch wird erwogen, nunmehr vom Norden aus Propagandamaterial gen Süden zu schicken. Derweil sind die telefonischen und anderen Kommunikationslinien zwischen beiden Ländern gekappt.

Die Reaktionen auf die Sprengung fielen anfänglich vergleichsweise verhalten aus. Südkoreas Vereinigungsminister Kim Yeon-Chul erklärte noch am selben Tag (16.6.), die Sprengung des Liaisonbüros sei etwas, „das (von Nordkorea) zum Teil bereits angekündigt wurde“. An die Führung in Pjöngjang richtete der Minister den Appell, sich an frühere bilaterale Vereinbarungen zu halten. Ähnlich äußerte sich Südkoreas Präsident Moon Jae-In, als er im Rahmen einer kurzfristig anberaumten Krisensitzung den Norden aufforderte, den bereits eingeschlagenen Friedenspfad nicht zu verlassen.

Aus Chinas Außenministerium verlautete, Beijing hoffe auf Frieden und Stabilität auf der Koreanischen Halbinsel inmitten eskalierender Spannungen zwischen Seoul und Pjöngjang.

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