Anpassung und Unterordnung in China – Der Einzelne in der übermächtigen Gemeinschaft

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24-06-20 07:55:00,

China spielt eine immer größere wirtschaftliche und militärische Rolle im globalen Geschehen. Es ist daher für friedliche Beziehungen von großer Wichtigkeit, die Kultur und vor allem die Mentalität der Chinesen zu kennen und zu verstehen, die der des Westens diametral entgegengesetzt ist. Während bei uns der einzelne Mensch nach Selbstbestimmung und Freiheit strebt, ist er dort bis heute in hierarchische Strukturen der Gemeinschaften und des Staates eingeordnet, deren unselbständiger Bestandteil er ist und deren Regeln er lebenslang Gehorsam schuldet.

Junge Chinesen, die in Deutschland studieren, haben daher besondere Schwierigkeiten, sich hier zurechtzufinden und seelisch im Gleichgewicht zu bleiben. Einer von ihnen, Huiping Guan, offensichtlich gut in die westliche Kultur des Individualismus eingelebt, hat über diese Problematik an der Universität Bremen promoviert und seine Dissertation ins Netz gestellt. Dazu musste er natürlich die sozio-kulturellen Verhältnisse in China darstellen, aus denen die Studenten kommen, um die Diskrepanz zur europäischen Kultur und die daraus entstehenden Konflikte deutlich machen zu können. Wir folgen hier im wesentlichen seinen kundigen Ausführungen.1

Seit Jahrtausenden bewahrt China seine besondere Kultur und Eigenständigkeit. Während dieses gesamten Zeitraumes hat eine Vielzahl von Philosophien und Religionen die chinesische Mentalität und die sozialen Strukturen geprägt, oder auch umgekehrt hat die chinesische Mentalität die Philosophien und Religionen geprägt. Der Konfuzianismus als Staatsphilosophie und die Religionen des Taoismus und des Buddhismus bilden drei Säulen, die das Alltagsleben und die Denkweise der Chinesen stark bestimmen. Dabei zählt der Konfuzianismus zur prägendsten Wertanschauung.

„Nach Ansicht einiger Forscher prägt das konfuzianische Wertesystem das gesellschaftliche Leben und die soziale Konvention der chinesischen Kultur, während das taoistische Wertesystem die innere Logik des Denkens und das buddhistische Element für das religiöse Verhalten die wichtige Stellung einnimmt. Dabei tritt allerdings keines dieser drei Elemente im gesellschaftlichen, kulturellen oder religiösen Leben isoliert in Erscheinung.“ (S. 62)
Die kollektive Orientierung und hierarchische Ordnung der konfuzianischen Tradition werden heute geschickt mit dem sozialistischen Prinzip und der kommunistischen Ideologie verwoben und ineinander integriert.

Der Konfuzianismus

Konfuzius (551-479 v. Chr.) lebte in einer chaotischen Umbruchphase Chinas, die von Bürgerkriegen beherrscht war. Im Mittelpunkt seiner Lehre stand daher die Frage, wie die Gesellschaft aus dem chaotischen Zustand herausgeführt und wieder eine friedlichere und harmonischere Lebenszeit eingeleitet werden könnte, was nur durch ein Streben jedes Menschen nach moralischer Vervollkommnung gelingen könne.

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