Die Schnüffel-App

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25-06-20 05:46:00,

Lieber Herr M.,

mit Interesse habe ich in der gestrigen Ausgabe „meiner“ Lokalzeitung Ihren Artikel „Installieren oder nicht?“ über die Corona-Warn-App gelesen.

Angenommen, Ihnen geht es in erster Linie darum, zukünftig vom (Tageszeitungs-) Journalismus leben zu können, dann haben Sie alles richtig gemacht. Sie gehen von den offiziellen, von „allen“ geglaubten Darstellungen aus, ergänzen sie um persönliche Erlebnisse, bewahren dabei einen milde kritischen Ton ohne weitere Konsequenzen — und das alles flüssig und ohne Rechtschreibfehler geschrieben: Herzlichen Glückwunsch! Weiter so!

Falls Sie allerdings zu denjenigen Menschen gehören sollten, die sich für den journalistischen Beruf interessieren aus Motiven, die etwas mit Aufklärung, Information, „Hinter-die-Kulissen-Blicken“ oder investigativem Journalismus zu tun haben, dann — verzeihen Sie die Arroganz eines alten Mannes — scheint Ihr Text doch eher in die Kategorie „nett und nutzlos“ zu fallen.

Die Diskussionen um Datenschutz und Akkuverbrauch setzen Sie als bekannt voraus — ok. Und ich moniere hier natürlich nicht, daß Sie auf die Besichtigung kritischer Internetseiten verzichten; man braucht da doch sehr viel Zeit und/oder spezifische Fachkenntnis, um seriöse Kritik einerseits und glaubensgewisse „Wahrheiten“ andererseits auseinanderzuhalten. Ob Bill Gates oder die Bilderberger alles von langer Hand heimlich eingefädelt haben, muß man wirklich nicht in der Lokalzeitung diskutieren. Für kritischen, aufklärerischen Journalismus reicht es für den Hausgebrauch oft schon aus, den eigenen Kopf zu benutzen und bekannte oder leicht beschaffbare Informationen aus seriöser oder offizieller Quelle zu kombinieren. Da könnte zum Beispiel auffallen: Die offizielle Story lautet, die „Warn-App“ solle die „Corona-Pandemie“ bekämpfen helfen. Kann sie das denn? Was sagen die bekannten Fakten dazu aus?

Die App soll Sie warnen, wenn Sie einer mit Corona infizierten Person zu nahegekommen sind. So ist die allgemeine Story. Das ist offenbar eher unsinnig. Die App kann nur warnen, wenn Ihr Smartphone einem anderen Smartphone nahegekommen ist, das einer Person gehört, die 1. positiv auf Corona getestet wurde, 2. die App nicht nur installiert, sondern zum Zeitpunkt des Kontaktes auch aktiviert hatte, 3. ihr Smartphone bei sich trug und 4. die positive Testmeldung brav in die App eingetragen hat. 5. müssen die unter 2. und 3. genannten Voraussetzungen auch bei Ihnen zu diesem Zeitpunkt zugetroffen haben. Nun ist allgemein bekannt, daß es neben den positiv getesteten Personen eine „Dunkelziffer“ gibt.

Ich bin da kein Experte — die mir bekannten Schätzungen bewegen sich vom fünf- bis zehnfachen der per Test identifizierten Fälle oder noch höher.

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