Das grosse Wegwerfen bei Aldi

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26-06-20 09:17:00,


Janosch Fischer / 26. Jun 2020 –

Aldi betont sein Engagement gegen Food Waste. Ein Augenschein in seine Mülltonnen zeigt, dass es sich dabei primär um PR handelt.

Red. Grossverteiler verkünden gerne, wie sorgsam sie mit den vielen Lebensmitteln umgehen, deren Verkaufsdatum abgelaufen ist. Janosch Fischer, der über foodsharing.de das Abholen und Verteilen von überschüssigen Lebensmitteln organisiert, hat bei Aldi-Filialen die Probe aufs Exempel gemacht.

Pfingstsonntag in der Früh. Es dämmert bereits, die Vögel sind mitten in ihrem Morgenkonzert. Tatort: Aldi-Filiale Gals, Kanton Bern. Ich stelle mein Velo samt Anhänger am Rande des verlassenen Parkplatzes ab und ziehe die Handschuhe an. Es muss schnell gehen. Mit Rucksack und den blauen Ikea-Taschen gehe ich zu den drei Containern, die an die Wand gestellt sind und öffne sie.

Was ich vermute, aber nicht hoffe: Bis zum Rand sind sie gefüllt mit frischem Obst und Gemüse, das unachtsam reingeworfen wurde. Ich bin nicht wählerisch und packe ein, was meine Hände greifen. Die Tonnen sind zur Hälfte mit Mangos aus Brasilien, peruanischen Bio-Avocados, Aprikosen, Pfirsichen und Peperoni aus Spanien gefüllt. Hinzu kommen frische Karoten, Fenchel, Kohlrabi, Birnen usw.

Bei jedem vorbeifahrenden Auto steigt die Anspannung, handelt es sich bei dieser Aktion doch um eine unerlaubte Handlung. Es dauert, bis alle Taschen gefüllt sind. Etwa 10 Prozent der weggeworfenen Lebensmittel konnte ich retten. Nach zehn Tagen Kellerlagerung ist die Mehrheit der geretteten Produkte noch immer in einwandfreiem Zustand. Die Filiale hätte also genügend Zeit gehabt, die Produkte weiterzugeben.

Beschwichtigungsstrategie

Meine Abfall-Stichprobe bei Aldi macht die gut klingenden PR-Angaben des Konzerns unglaubwürdig. Dieser ist Partner bei der Initiative «Save Food, Fight Waste», deren Name eigentlich Programm sein sollte:

    «Die Vermeidung von Lebensmittelabfall (…) hat erste Priorität. Fallen dennoch unverkaufte Nahrungsmittel an, werden diese zuerst weitergegeben und sinnvoll verwertet, bevor sie in Ausnahmefällen entsorgt werden müssen»

Und Aldi schreibt Infosperber:

    «Produkte kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums werden mit einem Rabatt von bis zu 50 Prozent an unsere Kundinnen und Kunden abgegeben … Lebensmittel, welche kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums sind, oder die in Form oder Verpackung (nicht in der Qualität) Mängel aufweisen, werden grösstenteils karitativen Organisationen und Vereinen wie ‹Schweizer Tafel›, ‹Tischlein deck dich›,

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