Bombenkrieg gegen Kurden und Jesiden

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30-06-20 09:20:00,

Das Volk der Friedensnobelpreisträgerin Nadja Murad ist nach dem IS-Terror Ziel türkischer Angriffe.

Amalia van Gent / 30. Jun 2020 –

Neben Libyen und Syrien führt das türkische Militär seit Mitte Juni Krieg auch im Nordirak. Ein Bericht aus Sicht der Betroffenen.

Die jüngste Operation der türkischen Armee im Nordirak unter dem phantasievollen Namen «Adlerkralle» begann mitternachts am 15. Juni 2020: Dutzende Kampfjets F-16 und unbemannte Drohnen starteten in Diyarbakir, der heimlichen Hauptstadt der Kurden in der Türkei, und bombardierten im benachbarten Nordirak flächendeckend ein Gebiet, das von der syrischen Grenze im Westen bis hin zum Iran im Osten reicht. Es handelte sich um die grösste Operation der Türkei im Nachbarland seit 2015. Zeitgleich übermittelte das türkische Verteidigungsministerium medienwirksam Bilder vom Verteidigungsminister Hulusi Akar, der vor einem Bildschirm die Operation beobachtete und ähnlich wie ein Fussballfan bei einem Tor seiner Mannschaft bei jeder Explosion die Arme in die Luft hob und laut jubelte. «Adlerkralle» und die Bodenoffensive türkischer Sonderkommandos, welche zwei Tage später unter dem ebenso geistreichen Namen «Tigerkralle» eingesetzt hatte, waren Chefsache, so lautete die Botschaft an die türkische Öffentlichkeit.

Das Flüchtlingslager Mahmur

Beide Offensiven gelten offiziellen Angaben aus Ankara zufolge dem schonungslosen Kampf gegen die «Terroristen der kurdischen Arbeiterpartei (PKK), die unser Land, unsere Menschen, unsere Polizeistationen und Militärstützpunkte angreifen». Die türkische Armee würde im Nordirak auch diesmal «ein goldenes Kapitel ihrer Geschichte schreiben», versprach Verteidigungsminister Akar.

Der Einmarsch türkischer Soldaten im Nordirak auf der Jagd nach PKK-Rebellen ist eigentlich nichts Neues. Seitdem die PKK Anfang der 1990er Jahre in den unwirtlichen Gebirgsketten des kurdischen Nordiraks ihr Hauptquartier sowie ihre Lager untergebracht hat, führt die Türkei regelmässig Boden- und Luftoffensiven im Nachbarland durch. Neu hingegen ist Ankaras jüngstes Strategiedogma, das jeden zur «legitimen Zielscheibe» der türkischen Kriegsführung erklärt, dem vermeintliche Nähe zur PKK auch nur ansatzweise zugeschrieben wird. Es handelt sich also um Kollektivstrafe, was allerdings gegen internationales Menschenrecht verstösst. Für die Betroffenen kommt es einem Alptraum gleich.

Die türkischen Kampfjets hätten das Flüchtlingslager Mahmur 00.10 Uhr erreicht, erklärte dessen Bürgermeister Bedran Pirani der kurdischen Nachrichtenagentur Rudaw. Eine volle Stunde lang donnerten sie so niedrig über das Lager, dass Fensterscheiben zerbarsten und «Kinder aus reiner Panik in Ohnmacht fielen». Der materielle Schaden in der Umgebung des Lagers sei enorm.

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