Stalin und Hitler als Verursacher des Zweiten Weltkriegs? | KenFM.de

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30-06-20 02:26:00,

Das EU-Parlament provoziert Russland und Putin antwortet.

Von Wolfgang Bittner.

Von den deutschen, sogenannten Qualitätsmedien völlig ignoriert, erschien am 18. Juni 2020 in der US-Zeitschrift The National Interest ein langer Essay des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit dem Titel „Gemeinsame Verantwortung vor Geschichte und Zukunft“ zum „75. Jahrestag des Großen Sieges“ in englischer Sprache.(1) Am 19. Juni 2020 veröffentlichte die Botschaft der Russischen Föderation in Berlin den Artikel in Deutsch.(2) Im Vergleich zu dem, was von westlichen Spitzenpolitikern sonst so zu hören und zu lesen ist, handelt es sich um ein publizistisches und politisches Glanzstück.

Anlass für diese denkwürdige Veröffentlichung, die ohne Übertreibung als eines der wichtigsten politischen und geschichtlichen Dokumente seit 1945 zu sehen ist, war nicht nur der 75. Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland. Vielmehr war es die dreiste Provokation durch das Parlament der Europäischen Union, das sich am 19. September 2019 auf Initiative von 18 polnischen EU-Abgeordneten eine Resolution leistete, mit der Russland eine wesentliche Mitschuld am Zweiten Weltkrieg zugeschoben werden soll, und zwar „in der Erwägung, dass vor 80 Jahren, am 23. August 1939, die kommunistische Sowjetunion und das nationalsozialistische Deutsche Reich den als Hitler-Stalin-Pakt bekannten Nichtangriffspakt und dessen Geheimprotokolle unterzeichneten, womit die beiden totalitären Regime Europa und die Hoheitsgebiete unabhängiger Staaten untereinander aufteilten und in Interessensphären einteilten und damit die Weichen für den Zweiten Weltkrieg stellten (…)“(3) Die historische Unkenntnis und ideologische Befangenheit zahlreicher Mitglieder dieses höchsten europäischen Gremiums zeigt sich an dem Abstimmungsergebnis: 535 Ja-Stimmen, 66 Nein-Stimmen, 52 Enthaltungen.

Der russische Präsident mochte diese Schuldzuweisung nicht auf sich beruhen lassen und antwortete mit einer Abhandlung, die deutlich seine Handschrift trägt. Er beginnt mit einem persönlichen Rückblick auf das Schicksal seiner Familie im Zweiten Weltkrieg und danach: „Man pflegt zu sagen: Der Krieg hat eine tiefe Spur in der Geschichte jeder Familie hinterlassen. Hinter diesen Worten stehen das Schicksal von Millionen Menschen, ihr Leiden und der Schmerz des Verlustes. Stolz, Wahrheit und Erinnerung. Für meine Eltern ist der Krieg die schrecklichen Qualen des belagerten Leningrads, wo mein zweijähriger Bruder Witja starb, wo meine Mutter durch ein Wunder am Leben blieb.“(4)

Für ihn und seine Altersgenossen,

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