K.O. in der zweiten Runde

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03-07-20 02:01:00,

Auch die zweite Runde der Kommunalwahlen fand in einem Kontext statt, der noch immer von der Coronavirus-Krise geprägt war. Lange war unklar, wann sie stattfinden sollte, jetzt fand sie drei Monate nach der ersten Runde, kurz vor den Sommerferien, statt und führte zu einem neuen Rekord bei den Stimmenthaltungen. Schon in der ersten Runde am 15. März gaben nur 44,6 % der Wahlberechtigten ihre Stimme ab, letzten Sonntag waren es gerade mal 40,5 %. Und es kam wie erwartet: Der große Verlierer der Kommunalwahlen in Frankreich ist Emmanuel Macron und seine Partei LREM. Von Marco Wenzel.

Am 11. März erklärte die Weltgesundheitsorganisation das Coronavirus zur Pandemie, am 12. März wurden in Frankreich die Schulen geschlossen, am 13. März wurden Versammlungen von mehr als 100 Personen verboten, am 14. März wurden die Gaststätten geschlossen, am 16. März verhängte die Regierung ein Ausgehverbot. Trotzdem beharrte die Regierung auf das Abhalten der ersten Wahlrunde am 15. März. Wegen der anhaltenden Streiks und Demonstrationen um die Rentenreform sank die Zustimmung der Regierung Macron rapide und er befürchtete, dass die Talsohle noch nicht erreicht sei. So war Eile geboten. Am 12. März beschloss die Regierung, die erste Runde der Kommunalwahlen doch wie geplant am 15. März abzuhalten, obwohl die damalige Gesundheitsministerin Agnès Buzyn nach eigenen Bekundungen Macron davon abgeraten hatte.

Die erste Runde

Corona beeinflusste nicht nur, mit speziellen Vorsichtsmaßnahmen, Abstandsregeln und Desinfektionsmitteln in den Wahlbüros, den Wahlvorgang. Die Wahlbeteiligung war niedrig, auch wegen der Furcht vor Ansteckung. Aber die Wahlen beeinflussten mit hoher Wahrscheinlichkeit auch den Verlauf der Pandemie. Denn zwei Wochen nach dem 15. März hatte die Zahl der Infizierten ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht, unter den Infizierten waren auffallend viele Wahlhelfer aus den Wahllokalen, manche sind sogar inzwischen gestorben.

Besonders hatte es Macron natürlich auf Paris abgesehen, in der Hauptstadt hätte er nur allzu gerne eine BürgermeisterIn aus der eigenen Partei gesehen. In Paris aber hatte die Sozialistin Anne Hidalgo seit 2014 das Amt der Bürgermeisterin inne und erfreute sich dort großer Beliebtheit. Sie hatte 2014 die Wahlen mit einem fortschrittlichen Programm mit absoluter Mehrheit gewonnen, und dies zu einer Zeit, in der der Stern des PS bereits im Sinkflug war.

Um das Pariser Rathaus zu erobern, schickte Macron seinen Vertrauten Griveaux ins Rennen, der zuvor als Regierungssprecher zurückgetreten war.

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