Die weibliche Ejakulation | Von Sean Henschel | KenFM.de

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04-07-20 06:45:00,

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Ein Standpunkt von Sean Henschel.

Ich bin ein Mann und schreibe hier auch als Mann. Damit ist gemeint, dass ich ein anderes biologisches Geschlecht aufweise als eine Frau. Damit ist auch gemeint, dass ich eine andere Sozialisierung erfahren habe als Frauen in dieser westlichen Gesellschaft.

Dass die Perspektive aus der ich schreibe, beschreibe oder urteile, zwangsläufig unvollständig bleibt, ist der Tatsache geschuldet, dass ich selbst nicht die Erfahrungen einer Frau machen kann. Ich werde nie als Frau diskriminiert werden und einen vaginal oder klitoralen Orgasmus werde ich ebenfalls nie erleben. Egal, welche Ausgangslage zur Diskussion oder zur Beschreibung herangezogen wird, es bleibt bei einer verkürzten und im Kern auch umstrittenen Ausgangslage. Wenn ich mich als schreibenden Mann präsentiere und mich somit von einer schreibenden Frau abgrenze, unterstütze ich zugleich auch ein binäres Geschlechtermodell. Seit der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Personenstandsgesetz (§§21, 22 PstG) ist aber auch eine nicht-binäre Geschlechteridentität verfassungsrechtlich anerkannt. Selbst bei der jetzigen Rechtslage wird es schwer, allen gerecht zu werden. Irgendeine Grundlage der Debatte muss aber gefunden werden um nicht ständig aneinander vorbeizureden und ein respektvolles Reden – miteinander statt übereinander – zu gewährleisten.

Es ist schwierig als Mann über eine Frau oder über Frauen im Allgemeinen zu schreiben. Schon deshalb, weil der Mann trotz Emanzipationsbewegung, trotz zahlreicher gesetzlicher Änderungen zu Gunsten einer Geschlechtergleichstellung das unangefochtene, privilegierte Geschlecht geblieben ist. Nach meinen bisherigen Beobachtungen wird sich in näherer Zukunft nichts Wesentliches daran ändern, außer man fördert in der Politik und Gesellschaft eine Renaissance einer offenen und tabulosen Debatte. Die Verengung des Diskussionsraumes, verbunden mit dazugehörigen Framing-Effekten vermag die feministische Debatte und das konstruktive Gespräch zwischen Mann und Frau, Mann und Divers, Mann und Mann, Frau und Frau und Frau und Divers negativ zu beeinflussen.

Alles was ich sage oder schreibe, unabhängig vom Inhalt, sage ich aus einer Perspektive eines privilegierten Geschlechts. Zudem bin ich nicht nur ein Mann, sondern auch ein weißer Mann, ein großer Mann (1.90 m), ein „maskuliner“ Mann und ein heterosexueller Mann. Erwähnt wird dies deshalb, weil die Erfüllung der herkömmlichen gesellschaftlichen Klischees dazu führen kann,

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