Der Liberalismus — ein Nachruf

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07-07-20 08:13:00,

Von David William Pear

Nach langer Krankheit verschied die liberale Klasse. Sie starb nach Jahrzehnten morbider Dysfunktionalität. Sie war oft geistig versunken im Delirium, und wiederkehrend halbkomatös. Sie litt an physischem Verfall, geistiger Depression und halluzinierte ihre ehemalige Größe.

Eine Autopsie wurde durchgeführt, um die genaue Todesursache zu bestimmen. Politikwissenschaftler wollten den Körper auf zugrunde liegende Krankheiten und deren Fortschreiten untersuchen. Die Informationen können für zukünftige soziale Bewegungen nützlich sein. Hoffentlich können künftige Generationen so vor dem tragischen Schicksal der alten liberalen Klasse bewahrt werden. Die friedlichen Proteste gegen Gewalttätigkeiten der Polizei geben einem etwas Hoffnung für die nächste Generation.

Die Überlebenden der liberalen Klasse sind Identitätspolitik und Political Correctness.

Ihre Verwandten blieben mit dem Zank über das Vermächtnis der Liberalen zurück. Die Biden-Fraktion behauptet, der einzige rechtmäßige Erbe zu sein. Die Sanders-Fraktion bettelt um das Tafelsilber. Die Maskenbefürworter und die Maskengegner befinden sich in einem unfreundlichen Twitter-Schlagabtausch. Identitätspolitik, Political Correctness, schrittweise Reformen und die Mainstream-Demokraten verlangen ihren Teil der Erbmasse. Für die Mittelklasse blieb nichts übrig als gebrochene Versprechen. Die liberale Klasse hat sich seit vielen Jahren von der Arbeiterklasse und den Armen entfremdet und sie komplett aus dem Testament ausgeschlossen.

Der hundert Jahre alte Körper der liberalen Klasse hatte viele Wunden. In ihren jüngeren Jahren gewann sie einige entscheidende Schlachten: Organisierung der Arbeiterschaft, 40-Stunden-Woche, Mindestlohn, Frauenwahlrecht, Gesetze gegen Kinderarbeit, Sozialversicherung, Medicare [Anm.d.Korr.: US-Gesundheitsdienst für ältere Menschen], die Bürgerrechtsbewegung und Proteste gegen den Vietnamkrieg sind nur einige wenige. Verlorene Schlachten waren die gegen den McCarthyismus, COINTELPRO, die Kriege gegen Drogen und Kriminalität, Masseninhaftierungen, lateinamerikanische Todesschwadrone, Privatisierungen, Konzernlobbyismus und internationalen Imperialismus.

In den späteren Jahren wurde die liberale Klasse fett, schwerfällig und faul. Fastfood, schwache Verdauung, Konsumdenken, zu viele Fernsehauftritte und ihr greisenhaftes Alter hatten ihr Immunsystem ernsthaft geschwächt. Ein verwirrtes Hirn führte zu Zwiespältigkeit, Verwirrung und Senilität. Vom Warten auf Hoffnung und Veränderung, die aber nie kamen, war das Herz gebrochen. Aus psychologischer Sicht hat die liberale Klasse den Kampf einfach aufgegeben.

Chris Hedges spekulierte in seinem Buch „Der Tod der liberalen Klasse“, dass die Todesursache Leichtgläubigkeit gewesen wäre. Sie trug sicher ihren Teil dazu bei. Der Liberalismus war verrückt genug zu glauben, dass er die politische Klasse innerhalb des Systems verändern könnte. Er hatte geglaubt,

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