Durch Corona geheilt

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07-07-20 08:14:00,

Im Februar dieses Jahres — also einen Monat vor dem Lockdown — erkundigten sich manche meiner Freunde und Bekannten scherzend, wie ich denn mit Corona umgehen würde? Ob ich mich denn schon mit Notproviant versorgt hätte und das Haus nur noch mit einer Mundschutzmaske verlassen würde? Andere schickten mir Bilder von einer Pestmaske und schrieben dazu: „Vermutlich sehen wir dich in den nächsten Monaten nur noch so“. Das alles war darauf zurückzuführen, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch ein ziemlicher Hygienefreak war und alles in meiner Macht Stehende tat, mir ja keinen Virus einzufangen, um dann womöglich eine Woche lang krank im Bett zu liegen. Das war in meinem Umfeld bekannt.

Interessant zu beobachten war, wie sich in den folgenden Wochen und Monaten das Blatt um 180 Grad wendete. Viele, die mich im Februar noch scherzhaft damit aufzogen, dass mit Corona jetzt die Primetime meiner Hypochondrie beginnen würde, schlüpften ihrerseits in meine Rolle, während ich mich von meiner Hypochonderrolle zunehmend emanzipierte.

Erst vor fünf Jahren, also mit 21, wurde ich ein dezenter Hygienefreak und ein ebenso dezenter Hypochonder. Dezent und nicht pathologisch! Das Ganze bewegte sich noch auf einem Grad, dass mein Umfeld und inklusive ich selber das mit Humor nehmen konnte. Ich war niemand, der eine psychologisch wirklich ernst zu nehmende Angst vor Keiminfektionen hatte. Hingegen gehörte und gehöre ich sehr wohl zu der Gruppe von Männern, deretwegen sich der Begriff „Männerschnupfen“ etablierte. Wenn meine Nase verstopft ist oder mein Hals sich wie ein Vulkan anfühlt, kann ich das nicht sehr locker nehmen. Am schlimmsten empfinde ich im Zuge von Erkältungen jedoch das, was uns — also der mehr oder weniger überwiegend gesunden Bevölkerung — seit Ende März auferzwungen wurde: die Isolation.

Ausgelöst wurde meine erhöhte Sensibilität — mich nicht mit Krankheitserregern zu infizieren — dadurch, dass ich im Jahr 2014 häufig unter ziemlich unangenehmen Halsschmerzen „litt“. Als dann im Winter 2014/15 die Influenza regelrecht tobte und ich Angst hatte, meinen einwöchigen Amsterdam-Urlaub im Februar 2015 grippebedingt statt in Coffeeshops im Hotelzimmer verbringen zu müssen, entwickelte ich mich zunehmend in einen Hygiene-Ninja, der beim Spießrutenlauf durch die „gefährliche“ Welt des öffentliche Raums ständig vor bösen Bakterien und Viren auf der Hut war.

Dafür entwickelte ich immer ausgefeiltere Überlebensstrategien, um mir meinen Weg durch den öffentlichen Raum möglichst keimfrei zu bahnen.

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