Eliteforscher Hartmann über ein „erschreckendes Ausmaß der Vermögensungleichheit“

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23-07-20 08:02:00,

„Nichts bewegt die Reichen so sehr wie ihr Vermögen“, sagt Michael Hartmann im NachDenkSeiten-Interview. Anlass für das Interview mit dem Eliteforscher ist eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), über die diese Tage in den Medien berichtet wurde. Laut der Studie ist die soziale Ungleichheit in Deutschland noch größer als angenommen. Im Interview ordnet Hartmann die Studie kritisch ein und führt aus, was sich ändern muss, um den Verhältnissen hierzulande entgegenzutreten. Unter anderem sagt Hartmann: „Um das Problem an der Wurzel zu packen, müsste man tatsächlich die Eigentumsverhältnisse in der Wirtschaft grundlegend ändern.“ Von Marcus Klöckner.

Herr Hartmann, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat die Tage eine neue Studie vorgestellt. Tenor: Die Ungleichheit in Deutschland ist noch größer als angenommen. NachDenkSeiten-Redakteur Jens Berger hat sich mit der Studie in einem aktuellen Artikel auseinandergesetzt und sagt, dass ist alles nicht neu. Schon seit Jahren seien die Ausmaße der Ungleichheit hierzulande bekannt.
Wie haben Sie die DIW-Kurzstudie aufgenommen?

Faktisch enthält sie nichts wirklich Neues. Dass das obere Prozent gut ein Drittel des Vermögens besitzt, hat das DIW schon seit Jahren in anderen Studien ermittelt und auch eine Studie der EZB von 2014 ist zu demselben Ergebnis gelangt. Neu ist einzig die Methode. Das ist aber insofern wichtig, als die Resultate jetzt schwerer angezweifelt werden können als früher, wo sie viel stärker auf Schätzungen beruhten. Deshalb habe ich die Veröffentlichung begrüßt.

Wer die Diskussion um die Ungleichheit in Deutschland verfolgt, dürfte feststellen, dass sich im Kreis gedreht wird. Immer wieder flackert das Thema auf, Medien berichten hier und da darüber, aber es tut sich nicht wirklich etwas, oder?

Das ist leider so. In regelmäßigen Abständen von etwa ein, zwei Jahren werden Studien präsentiert, die das erschreckende Ausmaß der Vermögensungleichheit in Deutschland belegen. Das greifen die Medien dann kurz auf, auch große Medien wie etwa der Stern, der daraus vor Jahren sogar mal eine richtig gute Titelgeschichte gemacht hat, und danach geht es weiter wie zuvor. Erstaunlicherweise präsentieren dieselben Medien dann etwas später die offiziellen Zahlen des statistischen Bundesamts oder der Bundesregierung, denen zufolge das obere Zehntel „nur“ knapp 60 Prozent des Vermögens besitzt. Das obere Prozent wird zumeist gar nicht aufgeführt, wenn ja, dann mit einem Wert, der weit unterhalb von 35 Prozent bei nur gut 20 Prozent liegt.

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