Südkorea: Tiefe Risse durchziehen die Gesellschaft

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23-07-20 02:14:00,

Der Tod zweier Persönlichkeiten, die unterschiedlich nicht hätten sein können, und die aktuellen Beziehungen zum Norden antagonisieren die Gesellschaft wie schon lange nicht mehr. Von Rainer Werning.

„Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt“ – trefflicher ließe sich die Stimmung auf der Koreanischen Halbinsel in den verflossenen beiden Jahren nicht beschreiben. Erinnern wir uns: Im Sommer 2018 stimmten drei Staatschefs dies- wie jenseits des 38. Breitengrads, der Korea nach wie vor unsäuberlich in zwei Staaten – die Republik Korea (ROK) im Süden und die Demokratische Volksrepublik Korea (DVRK) im Norden – teilt, unisono das Hohelied auf Entspannung und Frieden an. Und das in der weltweit konfliktträchtigsten Region, in der nach dem dreijährigen Koreakrieg (1950-53), dem ersten „heißen Konflikt“ im Kalten Krieg, noch immer kein Friedensvertrag existiert.

Es herrscht dort bis dato lediglich ein Waffenstillstandsabkommen. Doch dieses wurde in dem unwirtlichen Grenzort Panmunjom lediglich von Emissären der DRVK, der VR China sowie einem US-amerikanischen General namens der Vereinten Nationen unterzeichnet. Der damalige Präsident Südkoreas, Rhee Syngman, verweigerte seine Unterschrift unter das Dokument. Erst als sich die USA zur selbsterklärten „Schutzmacht“ seines Landes aufschwangen und der Regierung in Seoul umfangreiche Wirtschafts- und Finanzhilfen in Aussicht stellten, akzeptierte Rhee den Deal.

Und eben in diesem unwirtlichen Panmunjom fanden in jenen Sommertagen des Jahres 2018 mehrere Treffen statt, die kurzzeitig die drei Hauptprotagonisten – Südkoreas Präsident Moon Jae-In, Nordkoreas Vorsitzenden Kim Jong-Un sowie US-Machthaber Donald Trump – zusammenführten. Man war all smiles und außenstehende Beobachter mussten den Eindruck gewinnen, da vollziehe sich in gleißendem Scheinwerferlicht der internationalen Medien ein geschichtsträchtiger Akt in Richtung eben eines Friedensvertrages 65 Jahre nach Ende des Koreakriegs.

Mehr noch: Mr. Trump lernte den Genossen Kim persönlich kennen und schätzen. Von Männerfreundschaft war auf einmal die Rede, wobei noch ein Jahr zuvor Mr. Trump gepoltert hatte, die DVRK am liebsten in Schutt und Asche zu bomben. Genosse Kim punktete politisch und diplomatisch, während der eigentliche Motor und Mediator bei alledem, Südkoreas Präsident Moon, mit gutem Recht für seine Gastgeberrolle und Statur gewürdigt wurde.

Debakel in Hanoi

Zwei Jahre später, im Sommer 2020, scheint auf einmal das Gewonnene zerronnen zu sein. Ein zweites Gipfeltreffen zwischen dem Vorsitzenden Kim und dem US-amerikanischen Machthaber Trump in Vietnams Hauptstadt Hanoi Ende Februar 2019 scheiterte im letzten Moment.

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