Unter dem Brennglas

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23-07-20 02:10:00,

Kapitalismus und „Freie Welt“ gehören zusammen — jedenfalls behaupten das die Befürworter des herrschenden Systems. Aber wie weit ist es in Krisenzeiten mit der Freiheit her? Wie in „normalen” Zeiten gilt auch hier das Primat der Maximierung des Reichtums Weniger, von denen einige bereits über einen obszön hohen Kontostand verfügen. Alles unterliegt in einem System von Konkurrenz und Wettbewerb dem Verwertungsinteresse der Kapitaleignerinnen und -eigner.

In jedem Geschäft hofft der Käufer auf eine Bedürfnisbefriedigung, auf einen Vorteil, für den er bezahlt; der Anbieter schielt letztlich auf nichts anderes als auf den in Geldwert ausgedrückten Profit, der aus dem Geschäft als Mehrwert für ihn herausspringt. Dabei ist das Produkt für ihn von untergeordneter Bedeutung. Ob der Mehrwert durch den Verkauf von Waffen, von Nahrungsmitteln, Gesundheitsprodukten, Versicherungspolicen oder durch Bildungs- und Erziehungsarbeit, durch Umweltschutz- oder Wohnungsbau-Projekte zustande kommt, das ist für die Rendite-Steigerung von untergeordneter Bedeutung. Je weniger „Kosten“ für den Kapitaleigner anfallen, umso höher die Profitaussichten, solange genug Kaufkraft kursiert, um mit dem Verkauf der erzeugten Produkte den Mehrwert realisieren zu können.

Befürworterinnen und Befürworter des Kapitalismus, den sie eher beschönigend „Marktwirtschaft“ nennen, vielleicht auch noch „sozial“ oder „ökologisch“, legitimieren unsoziale Verhältnisse wie einen Mindestlohn, der Altersarmut nach sich zieht, als Verteidigung von Arbeitsplätzen — in diesem Sinn erscheint unsoziale Politik im Gewand des Sozialen. Die neoliberal als modern verkaufte Variante dieses Betruges begründet selbst Krankenhausschließungen, Einsparungen im sozialen Bereich als ökonomisch, effektiv und effizient. Das Kurzarbeitergeld während des Corona-Lockdowns bedeutete für viele Geringverdiener ökonomische Not, während gleichzeitig Internetkonzerne weitere Milliardenprofite einfahren konnten.

Nach der Springerzeitung Die Welt vom 12. Mai 2020 müssen 20 Prozent der Bevölkerung mit weniger Geld auskommen, als vor der Krise (1). Im April 2020 waren circa 10,1 Millionen Menschen in Kurzarbeit, und circa 2,6 Millionen Menschen waren arbeitslos gemeldet (2).

Die Dunkelziffer umfasst junge Menschen, die nach Abschluss ihrer Schulbildung keinen Anschluss auf dem Arbeitsmarkt finden, hinzu kommen Studentinnen, die sich mit Nebenjobs über Wasser halten müssen, Papierlose, die keinen offiziellen Status haben, Rentnerinnen, die auf einen Zuverdienst angewiesen sind, um Altersarmut zu entkommen, und weitere nicht offiziell erfasste Menschen, etwa in Teilzeit- oder anderen prekären Arbeitssituationen.

„Menschen in Kurzarbeit hatten nicht nur Einbußen, sondern auch die größten Ängste um ihren Job. … viele Menschen, die auch vorher schon wenig verdient haben,

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