Die Rückkehr des Menschen

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24-07-20 12:50:00,

Ich studiere an einer Berliner Universität – und an den hiesigen Universitäten wird gerade die Gestaltung des kommenden Wintersemesters (2020/2021) mit Blick auf die Maßnahmen zur Pandemieabwehr besprochen. Aufgrund der derzeitigen Situation gibt es Überlegungen, die rein digitale Lehre, wie sie jetzt gerade im Sommersemester präsentiert wird, für das Wintersemester auf eine Mischung aus Präsenzlehre und digitaler Lehre auszuweiten.

Die Corona-Krise und die seither an den Hochschulen eingesetzte „digitale Lehre“ stellen die Studentinnen und Studenten vor besondere Herausforderungen. Die für das Wintersemester angedachte Lösung – eine Mischung aus Präsenzlehre und digitaler Lehre – wird die bestehenden Probleme, die ich nachfolgend erläutere, jedoch kaum oder gar nicht beseitigen können.

Meiner Ansicht nach sorgt eine Mischung aus Präsenzlehre und digitaler Lehre nur für mehr Ungleichheit. Das liegt sowohl an den Problemen, die durch die Corona-Krise hervorgerufen wurden, als auch an den Bedingungen, die die Uni selbst für das folgende Wintersemester stellt. Ich möchte die aktuelle Lage nicht verharmlosen, aber auch nicht überinterpretieren. Eine sogenannte zweite Welle wird laut Wissenschaftlern immer unwahrscheinlicher (1, 2). Europaweit gibt es immer mehr Lockerungen und mittlerweile sind auch wieder die ersten Urlauber auf Mallorca eingetroffen (3).

Die (Exzellenz-)Universitäten sollen im kommenden Wintersemester zur reinen Präsenzlehre zurückkehren, ohne Abstandsregel, ohne Maskenpflicht und ohne Bildung von kleineren Gruppen, also so, wie es bereits in den Kindertagesstätten (Kitas) und Schulen gehandhabt wird (4, 5).

Was die Berliner Unis betrifft, fordert die Juristische Fakultät der Humboldt-Universität, den Präsenzbetrieb zum Wintersemester 2020/2021 wieder aufzunehmen (6). Auch die Kultusministerkonferenz (KMK) hat beschlossen, die Abstandsregel im nächsten Schuljahr wegfallen zu lassen (7). Und warum sollte eine vollumfängliche Präsenzlehre an den Unis nicht wieder möglich sein, während die Maßnahmen an Kitas und Schulen bereits aufgehoben sind?

Nur eine reine Präsenzlehre kann – unter Berücksichtigung der benötigten Ausgestaltung der Seminarräume für Personen mit physischen und/oder psychischen Beeinträchtigungen – für eine gleichberechtigte und auch alle Personen würdigende Lehre sorgen.

Genau wie Kitas und Schulen sind auch die Universitäten ein Ort der Begegnung. Davon leben diese Einrichtungen. Dort können die Menschen wieder ihr Recht auf Bildung wahrnehmen.

Die Unis sind zuallererst ein Ort, an dem die Persönlichkeit gestaltet und der Austausch gefördert wird. Im Umgang mit anderen Personen werden Resilienz und Kompetenz gestärkt. Ein solcher Ort darf nicht aus einer Überinterpretation von Vorsichtsmaßnahmen heraus stillgelegt werden.

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