20 Jahre Camp David: Der Friedensprozess, der keiner war

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25-07-20 12:24:00,

Vor 20 Jahren scheiterten im US-amerikanischen Camp David die Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern und damit der aussichtsreichste Versuch, auf Basis einer Zweistaatenlösung Frieden in Nahost zu schaffen. So lautet zumindest ein beliebter Mythos westlicher Berichterstattung. Doch einen Prozess hin zu Frieden und Selbstbestimmung hat es nie gegeben. Von Fabian Goldmann.

Fast zehn Jahre hatten sie verhandelt, gestritten, Abkommen geschlossen, wieder gebrochen und die Hoffnungen der Welt auf einen Frieden in Nahost genährt. Und am Ende blieb doch nur ein kurzes Statement, in dem Israels Ministerpräsident Ehud Barak, Palästinenserpräsident Jassir Arafat und US-Präsident Bill Clinton das Scheitern der Gespräche eingestehen mussten. Als am 25. Juli 2000 das ergebnislose Ende der sogenannten „Endstatusverhandlungen“ im US-amerikanischen Camp David zwischen Israelis und Palästinensern bekannt gegeben wurde, erlebte die Vision von zwei Staaten, die Seite an Seite friedlich miteinander leben, ihren bis dahin herbsten Rückschlag. Ein Rückschlag, von dem sich der israelisch-palästinensische „Friedensprozess“ bis heute nicht erholen sollte. So, oder so ähnlich ließt man es zumindest auch dieser Tage wieder.

Weitgehende mediale Einigkeit besteht auch in der Frage, wer am Scheitern Schuld sei. Fast schon sprichwörtlich steht heute der Begriff von Baraks „großzügigem Angebot“ für die angebliche einmalige Fähigkeit der Palästinenser, eine Chance nach der anderen auf Frieden und Selbstbestimmung in den Wind zu schlagen. “Ich bedauere, dass Arafat im Jahr 2000 die Gelegenheit verpasst hat, diese Nation ins Leben zu rufen“, sagte Bill Clinton später mit Blick auf die gescheiterten Verhandlungen in Camp David. Er bete für den Tag „an dem die Träume des palästinensischen Volkes für einen Staat und ein besseres Leben in einem gerechten und dauerhaften Frieden verwirklicht werden.“ Zumindest in einer Sache hat der ehemalige US-Präsident Recht. Mehr als ein Traum war ein palästinensischer Staat nie. Gescheitert ist er allerdings nicht an der Weigerung der Palästinenser, Kompromisse zu schließen. Denn Verhandlungen hin zu einer Zweistaatenlösung hat es nie gegeben. Der größte Mythos über den israelisch-palästinensischen Friedensprozess ist der, das es ihn überhaupt gab.

Das Recht auf politische Selbstbestimmung ist nicht nur eine Verhandlungsposition der Palästinenser

Um zu verstehen, warum es in den rund zehn Jahren des „Oslo-Friedensprozesses“ nie um die Errichtung eines palästinensischen Staates ging, hilft es zu sehen, woher die Vorstellung von einer „Zweistaatenlösung“ im Nahen Osten eigentlich kommt. In der westlichen Wahrnehmung scheint diese wie Terroranschläge und Siedlungsbau zu den Konstanten des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern zu gehören.

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