Die Spanien-Lüge

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25-07-20 12:29:00,

„Aber scheiß drauf! Malle ist nur einmal im Jahr!“, lautet eine „Ode“ der Deutschen an das inoffiziell 17. Bundesland „Mallorca“. Im Grunde genommen hat man als kultivierter Menschen nicht viel übrig für derlei infantile Besäufnis-Chöre, Glorifizierungen des Tittytainments und der deutschen Tiefkultur der Sangriatrichter und Versenker. Doch angesichts des Grundtenors der etablierten Medien in ihrer Spanien-Berichterstattung ist man doch glatt geneigt, dieses Jahr für den Ballermann eine Lanze zu brechen.

Der massenmediale Medien-Mob tobt! Diese Deutschen! Diese Ballermann-Touristen! Die feiern, saufen, tanzen, grabschen und grölen als…gäbe es Corona nicht mehr! Ja, wie kommen die deutschen Touris auf Malle und Ibiza nur darauf? Haben sie sich vielleicht davor die offiziellen Zahlen auf der Seite des Robert Koch-Instituts oder auf Worldometer angesehen? Ohne jetzt irgendwelche Vorurteile schüren zu wollen, traue ich dem Stereotyp des Ballermann-Besuchers diese Weitsicht doch nicht zu. Und nein, das ist jetzt auch kein Verrat an der eigenen Arbeiterklasse oder die von oben herabgesandte Verspottung des Proletariats, denn schließlich haben wir es bei dieser Absturzkultur mit einem klassenübergreifenden Phänomen zu tun. Auch die jüngeren Mitglieder des vermeintlich klügeren Bildungsbürgertums haben — etwa bei der Abitur-Abschlussfahrt — mit derlei Niveau- und Kulturnihilismus nicht zwingend Berührungsängste.

Doch möchte man es diesen Menschen von Herzen gönnen: Nach Wochen und Monaten des grundgesetzwidrigen Lockdowns mal wieder nach Malle zu fliegen und sich einfach hemmungslos gehen zu lassen, bis tief in die Nacht sich zu betrinken, mit Alkohol im Blut durch die Calles zu streunen und die finsteren Aussichten auf einen im mehrfachen Sinn kalten Herbst für einen kurzen Augenblick zu vergessen.

Im punkto Todesursache dürfte es außer Frage stehen, dass die zum heiligen Ritual erhobene Ethanolisierung dem Coronavirus in jeder Hinsicht den Rang ablaufen dürfte. Pro Jahr sterben etwa 74.000 Deutsche den Tod durch Alkohol. Aufgrund des strengen Lockdowns und dem damit verbundenen Frust, können wir diesen Wert sicherlich für 2020 auf 80.000 hoch korrigieren. Somit wären auf die ersten sechs Monate gerechnet schon rund 40.000 Menschen infolge des Alkoholkonsums gestorben. Mit einem positiven PCR-Test sind nicht mal 10.000 Deutsche gestorben. Und von diesem dürfte vielleicht eine Promille-Anzahl direkt an Corona gestorben sein. Aber man fürchtet im Hinblick auf die Party-Inseln nicht den Sangria-Eimer, sondern Corona.

Doch all diese vorangegangen Überlegungen sind im Grunde genommen für die Katz!

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