In Ecuador geht es um nichts weniger als die Demokratie

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26-07-20 09:02:00,

Romano Paganini / 26. Jul 2020 –

Die Covid-19-Pandemie hat die Kluft zwischen arm und reich in Ecuador dramatisch verstärkt.

Die Lage in Ecuador ist unübersichtlich. Die Regierung hatte Anfang Juni beschlossen, die Quarantäne wegen der Covid-19-Pandemie teilweise zu lockern. Der öffentliche Verkehr wurde unter Sicherheitsvorschriften wieder in Betrieb genommen, einzelne Geschäfte öffneten ihre Türen. Der Krisenstab stellte in der Hauptstadt Quito das Wochen zuvor etablierte Ampelsystem von rot auf orange, ähnlich wie anderswo im Land, allerdings verstand die Mehrheit der Bevölkerung dieses Signal als grün – eine Reaktion, die angesichts ihrer finanziellen Lage mehr als verständlich ist.

Denn seit dem Lockdown, der im Andenstaat am 17. März in Kraft getreten war – inklusive einer rigorosen Ausgangssperre ab 14 Uhr –, verloren Zehntausende im Land von einem Tag auf den anderen ihr Einkommen. Neben zahlreichen ArbeitnehmerInnen, sowohl im privaten wie auch im öffentlichen Sektor, die entweder auf Kurzarbeit gesetzt wurden oder direkt die Kündigung erhalten hatten, waren insbesondere die vendedores ambulantes von den Massnahmen betroffen. Also jene Frauen, Männer und Kinder, die Früchte, Gemüse, Haushaltsartikel oder Handyzubehör auf den Strassen oder in Bussen verkaufen: ohne Arbeitsvertrag, ohne Versicherung, ohne Rente. Sie leben von den Brotkrümeln einer Wirtschaftsordnung, für die sie gar nie vorgesehen waren. Polizei, Funktionäre und PolitikerInnen würden die informellen ArbeitnehmerInnen am liebsten aus dem öffentlichen Leben verbannen. Die Rede ist von knapp vier Millionen Personen – und damit von einem Viertel der ecuadorianischen Bevölkerung.

Wer kann, bleibt zuhause

«Die Polizei verfolgt uns, als ob wir Verbrecher wären», rief ein Repräsentant der StrassenverkäuferInnen vergangene Woche während einer Demonstration. «Aber wir sind keine Verbrecher! Wir wollen lediglich arbeiten, denn der Strassenverkauf ist unser einziges Einkommen». Zur Demonstration hatten über zwanzig Gewerkschaften, Arbeiter- und Studentenorganisationen aufgerufen. Gekommen waren jedoch gerade mal dreihundert Personen. Octubre volverá, skandierten sie und zogen durch die Häuserschluchten der Hauptstadt. Oktober wird wieder kommen. Gemeint ist der Landesstreik vom Herbst 2019, bei dem zwölf Tage lang zehntausende BürgerInnen auf die Strasse gingen und das Land lahm gelegt hatten.

Am 25. Mai diesen Jahres fanden die bisher grössten Demonstrationen gegen die Sparpolitik von Präsident Lenin Moreno statt. Weitgehend friedlich und so gut es geht unter Einhaltung der Abstandsregeln gingen damals über 1000 Personen auf die Strasse.

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