Feierwütig – Zum Verhältnis von Partymachen und Gewalt

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27-07-20 09:05:00,

Nun haben die Ereignisse von Stuttgart, wo in der Nacht zum 21. Juni hunderte junger Männer Polizisten angriffen und Läden in der Innenstadt plünderten und zerstörten, in der Nacht vom 18. auf den 19. Juli in Frankfurt/Main eine Resonanz gefunden. Seit Wochen schon versammelten sich dort an den Wochenenden Tausende vor der Alten Oper, um zu feiern. Über deren Portal steht die Widmung: „Dem Wahren, Schoenen, Guten“. Weil die dafür vorgesehenen und etablierten Lokalitäten wegen der Pandemie geschlossen sind, sucht die Szene der Feier- und Tanzwütigen Alternativen unter freiem Himmel. Eine After-Work-Party auf dem Opernplatz: Die Hipster trinken ihren Wein, kiffen, hören ihre Musik und tanzen – unter weitgehender Missachtung der Corona-Regeln. Die Ordnungskräfte dulden das und greifen nur in Ausnahmefällen ein. Auch Minister Spahn schmolz vor lauter Verständnis für das Feierbedürfnis dahin und hob lediglich mahnend den Zeigefinger. Die Regierenden wissen, dass die Partyszene politisch vollkommen harmlos ist und ein sozialpsychologisches Ventil darstellt, durch das Frust und Aggressionen entweichen können. Zurück blieben an den Tagen nach den nächtlichen Partys riesige Müllberge. Das war in Frankfurt neben den schlaflosen Nächten der Anwohner bislang das Hauptärgernis. Von Götz Eisenberg.

Doch in der Nacht vom 18. Juli zum 19. Juli eskalierte auch in Frankfurt die Situation. Auf dem Opernplatz hatten nach Polizeiangaben zunächst rund 3.000 Menschen friedlich gefeiert. Doch dann kippte die Stimmung. Hunderte Menschen randalierten und lieferten sich eine stundenlange Auseinandersetzung mit der Polizei. Auslöser war offenbar eine Massenschlägerei. Auf einer Pressekonferenz schilderte der Polizeipräsident Bereswill die Situation so: Gegen 3 Uhr seien rund 30 Personen an einem Brunnen auf dem Opernplatz aufeinander losgegangen. Weil eine Person stark blutete, seien die Beamten eingeschritten und hätten versucht, den Streit zu schlichten und dem Verletzten zu Hilfe zu kommen. „Die Stimmung hat sich gegen uns gerichtet“, berichtete Bereswill. Polizisten seien „massiv“ mit Flaschen beworfen worden, woraufhin die Umstehenden zu klatschen und zu johlen begonnen hätten. Rund 500 bis 800 Feiernde seien zu diesem Zeitpunkt noch auf dem Opernplatz gewesen. 40 Leute seien festgenommen, etliche Polizisten seien verletzt worden. Das Gros der Festgenommenen sei aus dem Umland angereist, die meisten von ihnen hätten einen Migrationshintergrund und seien bereits wegen anderer Straftaten in Erscheinung getreten. Die Stadt Frankfurt reagierte mit einem „Betretungsverbot“ auf die Ereignisse: An Wochenenden werde der Opernplatz bis auf Weiteres nach Mitternacht gesperrt.

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