Die ersten drei Fehler von Jean Castex, von Thierry Meyssan

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28-07-20 08:23:00,

Ohne jeden Zweifel ist Jean Castex ein brillanter hochrangiger Beamter. Aber das macht aus ihm noch nicht den Mann, der als Premierminister Frankreichs der Situation gewachsen ist. Er hat nicht darüber nachgedacht, wie der Sozialpakt angesichts der finanziellen Globalisierung wiederhergestellt werden kann, und gibt sich mit Maßnahmen zufrieden, um kurzfristig sozialen Frieden zu erkaufen. Seit seiner Ernennung hat er gezeigt, dass er die politische Klasse nicht reformieren will, dass er sich damit begnügt, die Pandemie zu bekämpfen, indem er wie die anderen handelt, und dass er das Maastricht-Projekt unterstützt, das während des Kalten Krieges entworfen wurde.

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Jean Castex ist ein Mann der Gascogne, mit viel Ehrgeiz, der an die Figur von Eugène de Rastignac erinnert, die von Honoré de Balzac geschaffen wurde. Da er seinen sozialen Aufstieg über jegliche Ideologie stellt, trat er am Morgen des 3. Juli von seiner oppositionellen politischen Partei zurück, um am Nachmittag von Emmanuel Macron zum Premierminister ernannt zu werden. Er ist Mitglied des „Siècle“, des Klubs des Geschäfts-Establishments.

Die französische Verwaltung arbeitet sehr gut allein. In diesem Sinne ist sie eine der besten der Welt. Die Rolle der Minister besteht also nicht darin, an die Stelle der Zentralverwaltungsdirektoren zu treten, die die Maschine betreuen. Im Gegenteil, es geht darum, die Verwaltung an die Veränderungen der Welt anzupassen; sie in jene Richtung zu lenken, die vom Präsidenten der Republik erdacht und von den Bürgern bei seiner Wahl gebilligt wurde.

Der Präsident der Republik kann nicht zu allem eine Meinung haben. Aber er muss sich um die Außen- und Verteidigungspolitik, um die Polizei und Justiz, die Währung und um die Steuern kümmern. Das nennt man die hoheitlichen Funktionen. Gegenwärtig muss er dieses Paket überdenken, um angesichts einer tiefgreifenden Veränderung der Gesellschaftsstrukturen den Gesellschaftsvertrag wiederherzustellen.

Die Vermögensungleichheiten haben erheblich zugenommen. In den letzten Jahren sind die Mittelschichten wie Schnee in der Sonne geschmolzen, und eine neue soziale Klasse erschien vor aller Augen während der Demonstrationen der Gelben Westen. Der reichste Mann des Landes besitzt ein Vermögen, das ein „Smicard“ [Franzose mit dem offiziellen Mindestlohn] nicht einmal brutto in anderthalb Millionen Jahren verdienen kann. Diese astronomische Diskrepanz verweist das Land auf eine mittelalterliche Organisation und macht eine demokratische Funktionsweise unmöglich.

Seit dem Schlaganfall von Präsident Jacques Chirac am 2. September 2005 ist kein Pilot mehr im Flugzeug.

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