Die Macht der Seele

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29-07-20 09:56:00,

Wer bin ich? Woher komme ich, wohin gehe ich und was zum Teufel mache ich hier eigentlich? Wer von uns hat Antwort auf diese Fragen? Wer kennt sein wahres Ich, sein einzigartiges Talent und die Sehnsucht seiner Seele? Wer lässt diese Fragen zu? Überholte Romantik, weltferne Esoterik, muffige Religion. In unserer Zeit geht es um Handfestes, um Dinge, die man sehen, anpacken, entsprechend kontrollieren und nutzen kann. Es geht um Ressourcen, Systemrelevanz und Kaufkraft, um den messbaren Wert der Dinge — nicht um Geistiges, Spirituelles, Religiöses. Die Seele — das immaterielle Prinzip des Lebendigen — hat in unserer materialistischen, aufgeklärten Welt nicht mehr viel zu suchen.

Die Vorstellung, wir seien Individuen — unteilbare, über die Grenzen des Körperlichen hinaus existierende Wesen — hat sich seit langem verloren. Seit Renée Descartes (1596 bis 1650) das abendländische Denken prägte, löste sich die auf die Antike zurückgehende Vorstellung der Seele als Lebensprinzip alles Lebendigen auf. Auch die Religion verlor an Einfluss, in unserem heutigen Leben spielt sie kaum noch eine Rolle. Opium fürs Volk, Hirngespinst, Illusion, vor allem aber ein Herrschaftsinstrument, das zu Recht verurteilt wird.

Millionen metzelten die Kreuzfahrer dahin. Ganze Kontinente fielen dem Sendungsbewusstsein eifriger Gottesgesandter zum Opfer. Die katholische Kirche trägt die Verantwortung für unzählige Menschenrechtsverletzungen und die Protestanten haben es nicht viel besser gemacht. Martin Luther (1483 bis 1546) und Johannes Calvin (1509 bis 1564) waren Menschenfeinde, denen vor allem am eigenen Seelenheil gelegen war. Während sich die Katholiken immerhin ins Paradies einkaufen können, sind Protestanten auch nach einem Leben guter Taten der Verdammnis ausgeliefert, wenn es so bestimmt ist.

Im Laufe der Zeit hat sich der Glaube verloren: der Glaube an Gott, der Glaube an das Gute im Menschen, der Glaube an das Wahre, Schöne, Große. Das heutige Menschenbild zeichnet uns als raffgierige, verdorbene Egoisten, die gerade endgültig ihr Recht verwirken, auf diesem Planeten leben zu dürfen. So zumindest sehen viele von uns die anderen — sich selbst freilich nicht. Entsprechend haben wir unseren Bezug zum Religiösen verloren.

Die Fäden zwischen Irdischem und Himmlischem sind gekappt und die religio — lateinisch das Verbindende — zwischen Körper und Geist hat sich aufgelöst.

Spätestens seit Galileo Galilei (1564 bis 1642) erkannte, dass nicht die Erde, sondern die Sonne das Zentrum unseres Universums ist, begannen sich die Beziehungen zwischen Mensch und Gott zu verschlechtern.

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