Corona und Medien: Gibt es einen rasanten „Anstieg” bei den „Neuinfektionen“?

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30-07-20 01:43:00,

Die aktuelle Berichterstattung zu Corona ist einmal mehr irreführend und sie missachtet wichtige Regeln bezüglich der Zahlenbasis für die alarmistischen Artikel. Von Tobias Riegel.

„Die Infektionszahlen in Deutschland steigen wieder und Wissenschaftler warnen, dass die Lage schnell ernst werden könnte“, meldete die „Tagesschau“ am Mittwoch. In diesem Sinne haben in den vergangenen Tagen zahlreiche Beiträge in privaten und öffentlich-rechtlichen Medien eine anscheinend rasante Eskalation bei den „Neuinfektionen“ festgestellt. Auf diesen Berichten wurde dann ein angeblich dringender „Handlungsbedarf“ (in Form von verschärften Corona-Maßnahmen) aufgebaut. Es scheint für Politik und große Medien ausgemacht und sie möchten das durch diese bedrohlichen Äußerungen untermauern: Die „zweite Welle“ ist nicht nur eine reale Gefahr, sie hat uns möglicherweise bereits erfasst. Nicht nur zahlreiche große Medien verbreiteten diese fragwürdige Botschaft, auch der Chef des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, sagte am Dienstag laut Medien: “Wir sind mitten in einer sich rasant entwickelnden Pandemie”, und er betonte, es könne sich um den Beginn einer „zweiten Welle“ handeln.

Die Manipulation mit den „Neuinfektionen“

Diese Berichterstattung ist irreführend und sie missachtet wichtige Regeln, was die Zahlenbasis für die alarmistischen Artikel angeht: Um eine Entwicklung, also etwa den nun proklamierten „Anstieg“ bei den „Neuinfektionen“ festzustellen, muss diesen zwingend die Anzahl der neu durchgeführten Tests gegenübergestellt werden. Alles andere ist manipulativ. Aus der Relation ergibt sich eine jeweilige „Positiv-Quote“. Die hat sich laut RKI nun von 0,6 auf 0,8 Prozent leicht erhöht. Aus dieser unspektakulären Momentaufnahme einer leichten Erhöhung lassen sich aber keine Panik erzeugen und keine einschneidenden Maßnahmen rechtfertigen. Denn diese Rate lag laut RKI auch schon mal bei 9,0 Prozent und sie ist seither immer weiter gesunken – bis auf 0,8 Prozent. Vom zwischenzeitlichen Tiefststand der letzten Wochen ist sie nun wieder dort angelangt. Hier die aktuelle RKI-Grafik dazu:

Wenn man nicht nur Schrecken, sondern nützliche Informationen verbreiten will, anhand derer die Bürger sich selber ein Bild vom realen Gefahrenpotenzial des Virus machen können, müssten Medien und Politik zusätzlich (und mit vergleichbarem Nachdruck) folgende Informationen des RKI verbreiten: Wie viele Menschen werden in Deutschland im Moment stationär wegen Corona behandelt? Und wie viele Menschen sind wegen des Virus verstorben? Denn diese Zahlen stützen keine Panikmache. Hospitalisiert sind aktuell 249 Patienten und laut RKI sind in der letzten Kalenderwoche sechs Menschen in Zusammenhang mit Corona verstorben.

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