Spaniens Wirtschaft im freien Fall

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31-07-20 02:56:00,

Die Mehrzahl der Jobs, die verloren gingen, lag im Dienstleistungssektor, vor allem Tourismus. Bild: Maël Balland/Pexels

Das Land hat offiziell fast 1,1 Millionen Stellen verloren, doch die reale Zahl ist viel höher

Derzeit hagelt es nur so schlechte Zahlen aus dem spanischen Statistikamt (INE) in Madrid. Die Corona-Krise trifft das Urlaubsland mit voller Wucht, was auch nicht anders zu erwarten war. Schrumpfte die spanische Wirtschaft schon im ersten Quartal um 5,2%, obwohl nur zwei Wochen von drei Monaten in den Alarmzustand fielen, waren es nun im Vergleich zum Vorquartal sogar schon 18,5% – ein nie dagewesener Wert.

Damit trifft es Spanien mit einer sehr ungesunden einseitigen Ökonomie wie sonst wohl kein anderes entwickeltes Land. Im Jahresvergleich ist die Wirtschaft sogar schon um 22,1% abgestürzt. In Deutschland waren es dagegen 10,1%, in den USA etwa 9,5% – auch wenn oft von 32,9% gesprochen wird -, in Frankreich 13,8% und in Italien, obwohl vom Coronavirus stärker betroffen, “nur” 12,4%. Damit liegt das Land nur leicht über dem Durchschnitt im Euroraum.

Diese Woche hatte INE auch Angaben zur Arbeitslosigkeit in Spanien gemacht. Dort ist man von einer hohen Arbeitslosigkeit (14%) in der letzten Krise nie heruntergekommen, weil, anders als beim Nachbar in Portugal, lange auf die verfehlte Austeritätspolitik gesetzt wurde. Nach INE-Angaben sind nun 15,3% arbeitslos. Das ist aber eine Mondzahl, weil sie den Verlust von 1,1 Millionen Stellen nicht darstellt, den auch das Statistikamt offiziell beziffert.

Diverse Beobachter gehen davon aus, dass die reale Zahl der Arbeitslosen eher schon bei 20% liegt. Viele Arbeitslose haben es angesichts lange geschlossener Behörden nicht geschafft, sich überhaupt im Juni arbeitslos zu melden. Wer keine Leistungen in Spanien zu erwarten hat, tut das ohnehin normalerweise nicht. Und das sind viele.

Dramatisches Ausmaß noch nicht absehbar

Das dramatische Ausmaß ist noch lange nicht absehbar. Sogar das INE muss einräumen, dass real 4,7 Millionen Menschen im letzten Quartal nicht gearbeitet haben. Fast 3,5 Millionen Menschen sind noch in sogenannten “ERTE” geparkt, wie Null-Kurzarbeit genannt wird, und von denen werden viele nie wieder in den Arbeitsmarkt zurückkehren, wie auch an dieser Stelle befürchtet wurde. Man darf annehmen, dass die enorme Zahl von 26% im Jahr 2013 in der letzten Krise noch deutlich überschritten werden wird.

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