Warum der Anti-Spiegel bisher nicht über die Proteste im russischen Fernen Osten berichtet hat | Anti-Spiegel

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01-08-20 09:21:00,

Ich bekomme immer mehr Mails mit Fragen nach den Protesten im russischen Chabarovsk. Dort demonstrieren seit drei Wochen tausende gegen die Verhaftung des Gouverneurs der Region. Warum hat der Anti-Spiegel bisher nicht darüber berichtet?

Da ich sehr viel aus und über Russland berichte, müsste hier einiges über die Proteste in Chabarovsk zu lesen sein. Das Problem dabei ist, dass ich dem, was in Deutschland berichtet wird, in der Sache nicht viel hinzufügen kann, denn erstens bin ich nicht in Chabarovsk und kann daher aus erster Hand nichts berichten und zweitens sind die Berichte der deutschen Medien in der Sache korrekt und decken sich mit dem, was auch in Russland berichtet wird.

Der Gouverneur der Region, Sergej Furgal, hat dort die Wahlen gegen den Kandidaten der „Putin-Partei“ gewonnen. Furgal ist Mitglied der Partei LDPR von Wladimit Schirinowski. Schirinowski ist für teilweise radikale Forderungen bekannt und ganz sicher nicht pro-westlich. Seine Partei ist also nicht die Art von russischer Opposition, die den westlichen Medien gefällt und die sie unterstützen würden. Das dürfte der Grund sein, warum die westlichen Medien die Proteste nicht allzu sehr befeuern, sondern für ihre Verhältnisse erstaunlich sachlich berichten. Das war bei anderen – wesentlich kleineren – Protesten in Russland, bei denen die Organisatoren aber pro-westlich waren, ganz anders.

Furgal ist ein Geschäftsmann, dem vorgeworfen wird, in den „wilden Zeiten“ des russischen Raubtierkapitalismus Konkurrenten ermordet zu haben. Möglich, dass das wahr ist, denn solche Morden gehörten früher fast zum Alltag in Russland. Allerdings stellt sich natürlich die Frage, warum diese Vorwürfe ausgerechnet jetzt erhoben wurden und nicht schon vor 15 Jahren. Andererseits wäre das nicht der erste Mord auf der Welt, der erst nach vielen Jahren aufgeklärt wurde.

Wenn deutsche Medien die These aufstellen, der Kreml habe die Niederlage bei der Wahl nicht akzeptiert und daher den Gouverneur mit dem Mordvorwurf aus dem Verkehr gezogen, so ist das nicht überzeugend. Der Grund ist, dass viele Gouverneure nicht von der Regierungspartei, sondern von anderen Parteien gestellt werden und dass der vom Kreml ernannte Übergangsgouverneur, der sich später zur Wahl stellen muss, ebenfalls von der LDPR kommt. Es wurde also kein Parteifreund von Putin eingesetzt.

In Russland berichtet das Fernsehen täglich über die Proteste. Im heutigen Artikel kann man zum Beispiel auch lesen, dass solche Proteste auch in anderen Städten der Region stattfinden.

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