Die erste Million

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03-08-20 09:11:00,

Nach so viel sieht es erst einmal gar nicht aus, als wir zum Drehen einer Reportage für den Rubikon-YouTube-Kanal kurz nach 11 Uhr am Brandenburger Tor in Berlin ankommen. Einige LKWs und circa 3.000 Demonstranten direkt am Anfang der Straße des 17. Juni. Ein ziemlicher Reinfall für den Veranstalter Michael Ballweg aus Stuttgart, der bereits seit Wochen um 500.000 Besucher für diesen Tag geworben hatte. Jene, die dem Ereignis optimistisch entgegenblickten, dachten meistens, ein Zehntel dessen wäre schon etwas Besonderes. Dass es am Ende mehr als doppelt so viele werden würden — damit hatten wohl nicht einmal die Veranstalter und Organisatoren selbst gerechnet.

Der kleine Demozug setzt sich den LKWs folgend in Bewegung. Und dann plötzlich weiß keiner mehr so genau, wo die ganzen Menschen auf einmal herkommen. Wir versuchen, für unseren Bericht Bilder einzufangen; wollen abschätzen, wie viele Demonstranten gekommen sind, aber sowohl vorne als auch hinten ist kein Ende in Sicht. Das müssen viele sein, sehr viele! 100.000, 200.000, vielleicht sogar die angekündigten 500.000?

Dass wir die Lage noch deutlich unterschätzen, wird uns erst bewusst, als wir von der S-Bahn-Station der Friedrichstraße auf den Demozug herunterschauen und immer noch kein Ende zu erkennen ist. Der Zug geht durch die gesamte Innenstadt und fast die gesamte Strecke ist vollständig mit Menschen ausgefüllt. Ganz normale Bürger, mehrheitlich aus dem Mittelstand, die einfach genug haben, weil die Unterdrückung nun unweigerlich nicht mehr abstrakt und nicht mehr zu verdrängen ist.

Das ganze Leid der letzten Wochen und Monate scheint an einem heißen Sommertag mitten in Berlin plötzlich kollektiv aufzubrechen: der Psychoterror und die Panikmache der Medien, die massiven Existenzängste und realen Existenzzerstörungen durch den Lockdown, gesellschaftliche Ausgrenzung, weil man nicht die Regierungsmeinung vertritt, und vor allem die ständig präsente kognitive Dissonanz zwischen der eigenen logischen Wahrnehmung und dem, was einem an angstinduzierender Propaganda nahezu überall entgegenspringt.

Es sind Busse aus Ungarn da. Fast jede deutsche Kleinstadt ist vertreten. Man hört russisch- und englischsprechende Menschen und sie alle wirken überwältigt von der Masse, die sie selbst unerwarteterweise darstellen. Auch die Berliner Technoszene ist dabei und so finden wir uns wieder in einer Art Love-Parade-Feeling, nur mit einem ganz anderen Flow, weil es hier nicht darum geht zu feiern, sondern um das Recht darauf, es zu tun. Es wehen Länderflaggen aus Deutschland,

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