Ich bin schwul. Das ist meine Natur.

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03-08-20 10:11:00,

Fällander Tagebuch 40
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Fällander Tagebuch 40

Jürgmeier / 03. Aug 2020 –

«Ich bin so. Ich kann nichts dafür. So bin ich geboren.» Das ist meine Natur. Diese Denkfigur ist letztlich konservativ, homophob.

7. März 2020

Der Schwinger Curdin Orlik macht es auf dem Titelblatt des heutigen Magazins öffentlich: «Ich bin schwul.» Das habe er schon immer gewusst. «Seit ich zwölf war.» Aber jetzt will er «frei sein. Viel zu lange habe ich verdrängt, wer ich wirklich bin.» Das erfährt nun die ganze Nation oder zumindest alle, die es wissen wollen. Sein Bekenntnis ist nicht nur die Titelgeschichte – «Lieber frei als ängstlich» – des Magazins. Es ist auch eine Schlagzeile in der Hauptausgabe der Tagesschau. Die alten und neuen Medien begleiten das Coming-Out des 27-jährigen Vaters. Das sein Bruder und Schwinger als «das Mutigste, das jemand machen kann» (Magazin) bezeichnet. Auch wenn mit Verweis auf die «Diktatur der politischen Korrektheit» gerne behauptet wird, es brauche heutzutage mehr Mut zu sagen, Homosexualität verstosse gegen die Natur – die Kombination von Homosexualität und Schwingen generiert auch 2020 noch mehrdeutige Aufmerksamkeit. Mehdi Künzle, damals Vorstandsmitglied der Schwulenorganisation Pink Cross, erklärt 2014, so das Magazin: «Schwingen ist in der Schweiz sicher die heikelste Sportart für ein Coming-Out. Da muss sich ein Sportler gegenüber dem konservativsten Teil des Landes zu seiner Homosexualität bekennen.» Und beweist damit, dass Homosexualität einen nicht vor Vorurteilen schützt. Orlik selbst, schreibt Christof Gertsch im Magazin, «liebte seinen Sport, und er liebte Männer. Er glaubte einfach nicht, dass sich beides vereinbaren lässt, eine Karriere als Schwinger und ein heimliches Leben als Schwuler. Das eine, dachte er, schliesse das andere aus. Er sah nur einen Weg: sich öffentlich zu outen.»

Curdin Orliks Schritt mag – im Gegensatz zu Neil Armstrongs Hüpfer auf den Mond im Jahre 1969 – subjektiv ein grosser sein. Ob er’s auch für «die Menschheit» oder zumindest «die Schweiz» ist, ein Schritt in eine (Schwinger-)Gesellschaft, in der Schwulsein als das «Normalste der Welt» (Orlik im Magazin) gesehen wird, oder nur ein mediales Sensatiönchen, das ein Tabu bricht, das längst zerbröselt ist,

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