So versuchte Chefvergifter Sidney Gottlieb, Menschen zu steuern

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03-08-20 10:09:00,

Christian Müller / 03. Aug 2020 –

Ein neues Buch über die CIA und ihre Experimente mit «entbehrlichen» Menschen dokumentiert grausame Machenschaften.

Wer Angst vor schlaflosen Nächten hat: bitte nicht weiterlesen. Das Buch «Project Mind Control» schildert, wie im Anschluss an den Zweiten Weltkrieg, vor allem in den 1950er und 1960er Jahren, die CIA heimlich grausame Experimente an Menschen machte – mit zwei Zielen: erstens die Menschen mental zu steuern (zum Beispiel, um sie einen Mord begehen zu lassen) oder aber auch sie ohne sichtbare Spuren umzubringen, und zweitens zur Entwicklung biologischer Waffen. Die CIA hatte dazu spezielle Experimentier-Stationen in den USA. Um für diese Experimente mit oft tödlichem Ausgang geeignete Personen zur Verfügung zu haben, nutzte sie aber auch Stationen im Ausland, vor allem in Japan und sogar in Deutschland.

Die führende Rolle bei diesen Experimenten spielte Sidney Gottlieb. Gottlieb, geboren am 3. August 1918, wuchs in einer jüdischen Einwanderungsfamilie in der New Yorker Bronx auf. Er hatte Klumpfüsse und stotterte. Beide Behinderungen konnten mit zunehmenden Lebensjahren medizinisch behoben werden. Sein Drang, Unmögliches möglich zu machen, aber blieb. Nach einem erfolgreichen Studium der Chemie wurde er in der CIA Chef des streng geheimen Programms MK-ULTRA, das ohne Rücksicht auf Verluste nach Giften und anderen Methoden suchte, um Menschen gefügig, vergesslich oder auch aggressiv zu machen. Nach der Entdeckung des LSDs durch den Schweizer Albert Hofmann und die Produktion von LSD ab 1949 durch Sandoz war vor allem diese Droge Gottliebs Hoffnungsträger im Bereich «Mind Control»: mentale Steuerung.

Als Chef der Abteilung MK-ULTRA und des geheimen CIA Camps Fort Detrick in Maryland war Sidney Gottlieb ein absoluter Draufgänger: Er unterhielt über CIA-Mitarbeiter eine Wohnung in San Francisco, wo Prostituierte und ihre Kunden zu Experimenten missbraucht wurden, eine Wohnung in New York, wo Probanden nach der Verabreichung von Giften genau beobachtet werden konnten, und er betreute auch persönlich ein Gefangenenlager in Japan und das geheime Lager der CIA in der Villa Schuster in Kronberg im Taunus in Deutschland, wo vor allem Kriegsgefangene und andere «expendable people» – entbehrliche Leute – für seine Experimente mit LSD und anderen Giften oder auch mit Elektroschocks, selbstverständlich ohne deren Wissen oder gar Zustimmung, benutzt wurden. Und wo man zusätzlich auf das Wissen und die Unterstützung von Wissenschaftlern zurückgreifen konnte,

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