Spanischer Ex-König flüchtet vor Korruptionsermittlungen

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04-08-20 08:17:00,

Das Ex-Königs-Paar Sophia und Juan Carlos. Foto: justraveling/Pixabay

Spannungen in der Linksregierung steigen, da der Vorgang mit den Sozialdemokraten ausgehandelt war. Forderungen nach einem Referendum über die Rückkehr zur Republik werden lauter

Es war ein offenes Geheimnis, dass sich der frühere spanische Staatschef Juan Carlos ins Exil absetzen wollte, um den Ermittlungen wegen Korruption, Geldwäsche und Steuerhinterziehung zu entgehen. Darüber hatte Telepolis schon am 22. Juli berichtet. Deshalb war es jetzt nur noch ein scheinbarer Paukenschlag, als gestern das Königshaus darüber informierte, dass Juan Carlos, “sich in diesen Momenten ins Ausland” begeben würde.

In dem vom Königshaus veröffentlichten Brief an seinen Sohn Felipe macht Juan Carlos deutlich, dass es ihm vor allem um die Rettung der vom Diktator Franco restaurierten Monarchie geht. Der Putschist hatte ihn kurz vor seinem Tod als seinen Nachfolger und als Staats- und Militärchef ernannt und alles “sehr gut festgezurrt”, wie Franco damals gesagt haben soll. Juan Carlos will “angesichts der öffentlichen Auswirkungen, die gewisse vergangene Ereignisse verursachen”, seinem Sohn die “Ausübung deiner Funktionen erleichtern”.

Er habe stets “das Beste für die Krone und Spanien gewollt”, meint er. Dass Juan Carlos in der Familie angeblich “seit längerer Zeit in Ungnade gefallen” sei, wovon die Süddeutsche Zeitung fabuliert, davon kann keine Rede sein. Sonst hätte das Königshaus diesen Brief nie auf der offiziellen Webseite veröffentlicht und noch weniger mit dem Hinweis darauf, dass Felipe “Respekt und Dank vor dieser Entscheidung” seines Vaters zeigt, der zudem dessen “historische Bedeutung” herausstreicht.

Wo sich Juan Carlos aufhält, darüber herrscht Schweigen im Königshaus. Auch die Regierung, die in den gesamten Vorgang eingebunden ist, schweigt sich dazu aus. Es ist für die gesamte linke Opposition ein Skandal, dass sich der ehemalige Staatschef mit Unterstützung der Sozialdemokraten (PSOE) und all seinen Millionen absetzen konnte, obwohl Ermittlungen gegen ihn auch in Spanien laufen.

Diverse Parteien haben nun im Parlament beantragt, dass Vize-Ministerpräsidentin Carmen Calvo im Kongress erklären müsse, worüber mit dem Königshaus verhandelt wurde. Man werde weiter daran arbeiten, alle Vorgänge und Hintergründe aufzuklären, twitterte die Baskin Mertxe Aizpurua. Die Katalanin Laura Borras will erfahren, wie die Regierung an der “Flucht-Operation” beteiligt war.

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