Zehn Jahre seit WikiLeaks‘ Publikation der Afghanistan-Kriegsprotokolle

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05-08-20 10:15:00,

Von
Oscar Grenfell

2. August 2020

Am Samstag, den 25. Juli sind zehn Jahre vergangen, seit WikiLeaks die Kriegsprotokolle aus Afghanistan veröffentlicht hat. Diese riesige Fundgrube an durchgesickerten US-Militärdokumenten vermittelt einen beispiellosen Einblick in den verbrecherischen Charakter eines Krieges, der inzwischen der längste in der amerikanischen Geschichte geworden ist.

Die Dokumente wurden mit Kommentaren, Analysen und Kontextmaterial in Zusammenarbeit mit der New York Times, dem Guardian und dem Spiegel veröffentlicht. Nur etwa drei Monate vorher hatte WikiLeaks das berüchtigte „Collateral Murder“ Video veröffentlicht, das 2007 ein Massaker der US-Armee an Zivilisten, darunter zwei Reuters-Journalisten, im Irak öffentlich sichtbar machte.

Diese beiden Enthüllungen zusammen übten einen immensen Einfluss auf das öffentliche Bewusstsein aus und verstärkten und vertieften die Antikriegsstimmung, die sich erstmals bei den gewaltigen internationalen Protesten gegen die Invasion des Iraks im Jahr 2003 gezeigt hatten.

Juli 2010: Julian Assange präsentiert die Afghanistan-Kriegsprotokolle

Bezeichnenderweise erfolgte die Veröffentlichung von WikiLeaks im Jahr 2010 in einer Situation, als die pseudolinken Gruppen der oberen Mittelschicht diese Bewegung verraten hatten. Immer häufiger hatten sie den Widerstand gegen imperialistischen Krieg unterdrückt und 2008 die Wahl von Barack Obama unterstützt. Seither haben sie sich immer enger an die anderen militaristischen Parteien der herrschenden Elite, beispielsweise die SPD oder die Labor Party in Australien, angeschlossen.

Die afghanischen Protokolle entlarvten insbesondere die Behauptung unzähliger liberaler Experten, dass die Besetzung dieses Landes ein „guter Krieg“ sei, der angeblich geführt wurde, um den Terrorismus zu besiegen, die Demokratie auszuweiten und die Rechte der Frauen zu schützen. Dies kontrastierten sie mit dem „gescheiterten“ Irak-Feldzug.

Dies stimmte mit der Agenda der neuen US-Regierung überein. Schon während Obamas vorgetäuschter Antikriegshaltung im Wahlkampf 2008 wurden die Pläne für eine massiv ausgeweitete Offensive in Afghanistan entwickelt.

Was die Mythenbildung begünstigte, war die Tatsache, dass die USA, ihre Verbündeten und die bürgerlichen Medien jegliche Informationen über die tatsächliche Lage vor Ort unterdrückten. WikiLeaks lüftete den Schleier der Lügen und enthüllte eine neokoloniale Besatzung, die darauf abzielte, Bodenschätze zu plündern und die Kontrolle über die geostrategisch bedeutsame zentralasiatische Region zu sichern.

Massentötungen an Zivilisten, ein vehementer Widerstand der Bevölkerung und offene Demoralisierung in der US-Armee kamen an die Oberfläche, und zwar in größerem Umfang als je zuvor in den neun Jahren seit der US-Invasion.

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