«Parkinson ist eine menschengemachte Pandemie»

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06-08-20 09:40:00,

Parkinson-Erkrankte organisieren sich auf der ganzen Welt in Selbsthilfegruppen © 3-Sat

Christa Dettwiler / 06. Aug 2020 –

Neue Forschungsergebnisse sehen Pestizide, Lösungs- und Entfettungsmittel als Hauptursache. Vererbung spielt eine geringe Rolle.

Vier Forscher sprechen Klartext. „Parkinson ist eine menschengemachte Pandemie“, lautet das nüchterne Fazit ihrer Untersuchungen, die sie in einem neuen Buch* publiziert haben. Ihr Fazit belegen sie mit Fallzahlen, die sich im Gleichschritt mit der Industrialisierung entwickeln. Doch der weltweite Einsatz von Pestiziden, Lösungs- und fettlösenden Mitteln hat zu einem sprunghaften Anstieg der Parkinson-Erkrankungen geführt.

Unter starkem Verdacht: Lösungsmittel TCE, Insektizid Chorpyrifos, Herbizid Paraquat

Die vier Neurowissenschaftler führen erschreckende Zahlen an: „Über die letzten 25 Jahre ist die Häufigkeit von Parkinson weltweit um 22 Prozent gestiegen, in Indien um 30 Prozent und in China um 116 Prozent.“ Männer sind besonders gefährdet, weil sie häufiger mit Chemikalien arbeiten, die mit der Krankheit in Verbindung gebracht werden. Ihr Risiko, an Parkinson zu erkranken, ist um 40 Prozent höher als bei Frauen.

Doch niemand ist ganz vor einem Risiko gefeit. Das Lösungsmittel Trichloroethylen (TCE) gehört zu den Substanzen, die Parkinson auslösen können. Und TCE ist derart weit in der Umwelt verbreitet, dass praktisch jeder Amerikaner damit in Berührung kommt. TCE kontaminiert bis zu 30 Prozent des Trinkwassers in den USA. Dank seiner Leichtflüchtigkeit gelangt es auch durch die Luft in die Häuser. Dennoch verschob die US-Umweltschutzbehörde 2017 ein Verbot dieser Substanz auf unbestimmte Zeit, genau wie ein Verbot des Nerventoxins Chlorpyrifos, ein Parkinson-relevantes Insektizid, das in den USA grossflächig auf Getreidefeldern und Golfplätzen eingesetzt wird. In der Schweiz darf es erst seit dem 1. Juli 2020 nicht mehr eingesetzt werden, in der EU seit 1. März 2020.

Auch das berüchtigte Pestizid Paraquat taucht im Zusammenhang mit dieser Krankheit auf, die Menschen stark behindert. Es schädigt nicht nur Nieren und hat zu Tausenden von Todesfällen vor allem in Zentralamerika geführt, es kann das Risiko, an Parkinson zu erkranken, um 150 Prozent erhöhen, schreiben die Forscher in ihrer neuen Publikation. Paraquat wird nach wie vor von Syngenta hergestellt und vor allem in ärmere Länder vertrieben, obwohl es mittlerweile aufgrund seiner verheerenden Wirkung in 32 Ländern verboten wurde,

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