Weimarer Verhältnisse: Satirikerin darf nach Drohungen von Radikalen nicht in Hamburg auftreten | Anti-Spiegel

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06-08-20 06:49:00,

Am Mittwoch wurde gemeldet, dass eine Satirikerin in Hamburg keine Buchlesung veranstalten darf, weil die Veranstaltung „gesprengt werden wird„. Auf Druck von Radikalen wurde die Lesung abgesagt, die Polizei tut nichts dagegen und der Spiegel findet das augenscheinlich gut.

Veranstaltungen zu „sprengen“ war in Deutschland in den Jahren vor Hitlers Machtergreifung ein regelmäßiges Mittel des „politischen Kampfes“. Damals hatte jede Partei ihre eigenen paramilitärischen Schlägertruppen, bei den Nazis war das die SA, bei den Kommunisten hießen sie „Roter Frontkämpferbund“ und sogar die SPD hatte mit dem „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ eine ihr nahe stehende paramilitärische Gruppe zur Verfügung.

Weimarer Verhältnisse: Drohungen von radikalen Schlägertrupps haben Erfolg

In den Jahren vor 1933 waren es aber in erster Linie die SA und der „Rote Frontkämpferbund“, die sich Straßenschlachten und bei Veranstaltungen auch Saalschlachten geliefert haben. Die Polizei stand dem Treiben mehr und mehr machtlos gegenüber, in den Geschichtsbüchern ist dies der Beginn der dunkelsten Jahre der deutschen Geschichte, denn diese Schlägertruppen haben sich ja nicht nur gegenseitig bekämpft, sie sind auch zum Beispiel gegen Künstler vorgegangen, deren Programm ihnen aus politischen Gründen nicht gefallen hat. Die gebräuchliche Formulierung lautete, dass man eine Veranstaltung eines ungeliebten Künstlers „sprengen“ würde.

Und genau da sind wir heute wieder angekommen. Die preisgekrönte österreichische Satirikerin Lisa Eckhart sollte bei einem Hamburger Literaturwettbewerb mit einer Lesung auftreten. Dabei ging es noch nicht einmal um ihr kabarettistisches Programm, sondern darum, dass sie aus ihrem ersten Roman „Omama“ vorlesen sollte, für den sie für den mit 10.000 Euro dotierten „Klaus-Michael-Kühne-Preis“ für das beste deutschsprachige Romandebüt des Jahres nominiert ist.

Aber da Lisa Eckhart sich in ihren satirischen Programmen ausdrücklich gegen die Political Correctness stellt und diese auch offensiv vorführt und durch den Kakao zieht, war ihr Auftritt den Linksradikalen vom Schwarzen Block in Hamburg ein Dorn im Auge und es gab Drohungen gegen die Lesung.

Zur Erinnerung: Der Schwarze Block hat bei der Verwüstung von Hamburg beim G20-Treffen Schlagzeilen gemacht.

Meinungsfreiheit und Freiheit der Kunst – Fehlanzeige in Deutschland

Jetzt müsste man meinen, dass in Deutschland die freie Meinungsäußerung und auch die Freiheit der Kunst zu den höchsten Gütern gehören und dass der Staat – also die Polizei – gegen solche Drohungen vorgehen und eine solche Veranstaltung, die Künstlerin und die Besucher schützen sollte.

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