Das grundlegende Gefühl

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07-08-20 04:52:00,

Von der Furcht als emotionale Befindlichkeit hat Heidegger in Paragraph 30 von „Sein und Zeit“ eine exemplarische Abhandlung gegeben. Sie lässt sich nur verstehen, wenn wir nicht vergessen, dass das Dasein (das ist der Terminus, der (Anm. d. Übers.: bei Heidegger) die menschliche Existenzweise bezeichnet) immer schon in einer emotionalen Befindlichkeit vorfindlich ist, die seine ursprüngliche Weltoffenheit ausmacht.

Gerade weil in der emotionalen Situation der ursprüngliche Weltzugang zur Diskussion steht, geht sie dem Bewusstsein immer schon voraus, und letzteres kann folglich weder darüber verfügen noch glauben, sie nach seinem Belieben beherrschen zu können.

Die emotionale Befindlichkeit ist tatsächlich nicht mit irgendeinem psychischen Zustand zu verwechseln, sondern hat die ontologische Bedeutung einer Erschlossenheit, die den Menschen in seinem Dasein immer schon offen für die Welt gemacht hat und von der aus einzig Erlebnisse, Betroffenheit und Erkenntnisse möglich sind. Die „Reflexion (kann) nur deshalb ‚Erlebnisse‘ vorfinden (…), weil das Da in der Befindlichkeit schon erschlossen ist“. Sie befällt uns, aber „(s)ie kommt weder von Außen noch von Innen, sondern steigt als Weise des In-der-Welt-seins aus diesem selbst auf“.

Andererseits impliziert diese Erschlossenheit nicht, dass das, gegen das hin sie öffnet, als solches erkannt wird. Im Gegenteil manifestiert sie nur eine nackte Faktizität:

„Das pure ‚dass es ist‘ zeigt sich, das Woher und Wohin bleiben im Dunkel.“

Deshalb kann Heidegger sagen, dass die Befindlichkeit das Dasein im „Geworfensein“ und „Ausgeliefertsein“ zum eigenen „Da“ hin öffne. Die Erschlossenheit, die in der Befindlichkeit vorfindlich ist, hat also die Form eines Seins, das an etwas überlassen ist, das nicht annehmbar ist und dem man — ohne Erfolg — zu entkommen versucht.

Das offenbart sich in der Verstimmung, in der Langeweile und in der Depression, die, wie jede Stimmung, das Dasein „ursprünglicher als jede Selbstwahrnehmung“ erschließen, aber auch „hartnäckiger als jedes Nicht-wahrnehmen“ verschließen. So wird „das Dasein ihm selbst gegenüber blind, die besorgte Umwelt verschleiert sich, die Umsicht des Besorgens wird missleitet“; und dennoch ist auch hier das Dasein ausgeliefert an eine Erschlossenheit, von der sie sich auf keine Weise befreien kann.

Vor dem Hintergrund dieser Ontologie der Stimmungen muss die Abhandlung über die Furcht gesehen werden. Heidegger beginnt mit der Untersuchung dreier Aspekte des Phänomens: des „Wovor“ der Furcht, des „Fürchten(s) selbst“ und des „Worum“ der Furcht.

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