Der Weg zur Normalität

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07-08-20 04:57:00,

„Da gefährden diese Vollidioten ihre und anderer Leute Gesundheit, nur weil sie keine Lust haben, sich beim Einkaufen für fünf Minuten den Mund zu bedecken. Wie unverantwortlich!“

So einfach legen sich viele Kritiker der Demonstration die Beweggründe der immerhin mehreren hunderttausend Menschen zurecht, die in Berlin auf der Straße demonstrierten. Dass der oben genannte Vorwurf niemanden von der Couch auf die Straße bewegt, dürfte aber doch jedem klar sein. Die Motive der Demonstranten müssen also vielschichtiger ausfallen. Wer meint, mit einem Kommentar wie dem obigen alles gesagt zu haben, ist nicht an Verständigung interessiert und damit automatisch nicht an demokratischer Auseinandersetzung. Es lohnt sich, genauer hinzusehen.

Der wohl wichtigste Grund, der die Menschen in Berlin zum Demonstrieren bewegte, ist die Unehrlichkeit der Regierung im Zuge der Coronakrise.

Viele Beispiele belegen, dass führende Politiker das Vertrauen der Bürger während der Krise missbrauchen. Schon im Mai nannten Kanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Jens Spahn falsche Infektionszahlen: Statt von 29.000 Infizierten sprachen sie von 40.000. Das ist kein kleiner Rechenfehler, sondern ein grober Schnitzer. Der Fehler wurde im Nachhinein auch offiziell eingeräumt.

Bald darauf, im April, äußerte Wolfgang Kubicki (FDP) deutliche Zweifel an der Korrektheit der Reproduktionszahl (R-Wert), die das Robert Koch-Institut veröffentlicht. Diese Zahl gibt an, wie viele Menschen eine infizierte Person in einer bestimmten Zeit im Durchschnitt ansteckt. Steigt der Wert über 1, breitet sich die Krankheit weiter aus. Liegt der Wert unter 1, sinkt die Zahl der Neuinfektionen. Und während Bayern, das Bundesland mit den meisten Infektionen, im April einen R-Wert von 0,57 verkündete, stieg der R-Wert bundesweit laut RKI von 0,9 auf 1,0 — kurz vor der Kultusministerkonferenz.

„Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Der R-Wert des RKI steigt ausgerechnet zur Konferenz der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten, bei der vor weiteren Lockerungen gewarnt werden soll“, kommentierte Kubicki und fasste zusammen, die Zahlen des RKI „vermitteln eher den Eindruck, politisch motivierte Zahlen zu sein als wissenschaftlich fundiert“. Schätzungen des Helmholtz-Zentrums und der TU Ilmenau zum Reproduktionswert wichen deutlich von den Daten des RKI ab.

Und noch zur Anfangszeit der Corona-Krise behauptete unsere Regierung, dass FFP2- und FFP3-Masken nicht geeignet seien, um die Verbreitung des Virus aufzuhalten — Masken zu tragen, sei unnötig, hieß es. Dieselben Politiker führten bald darauf die allgemeine Maskenpflicht ein — aber erst,

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