Die Hygiene-Religion

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07-08-20 04:47:00,

Zwischen Willkür und falscher Auslegung des Virus gibt es allerlei Facetten der Hygieneplanung. Neulich am Eingang zu einem kleinen Café konnte man lesen: Sitzen sei ohne Maske erlaubt, sich frei im Laden bewegen nur mit. Ist das nach dem, was man über Aerosole zu wissen glaubt, nicht gerade andersherum sinnvoll? Wer aufsteht, um die Toilette aufzusuchen, redet gemeinhin wenig — wer aber am Tisch sitzt mit anderen, der quatscht viel, quatscht auch laut. Nach Kenntnisstand ist klar, was da gefährlicher ist.

Mit einer Schmierinfektion habe wir es indes nicht zu tun. Sich die Hände zu waschen, gilt jedoch immer noch als Top-Empfehlung. Die Bundesregierung wiederholt das noch immer an jeder passenden und unpassenden Stelle. Klar, das schadet nicht, unsere Eltern haben uns Kindern das schon beigebracht. Lieber einmal zu viel als zu wenig gewaschen. Aber als Schutzmaßnahme scheint das relativ unerheblich zu sein. Trotzdem sterilisieren jeden Tag Millionen Einkäufer den Einkaufswagen.

Der Virologe Hendrik Streeck hat schon relativ früh belegt, dass die Infektionsgefahr niedriger ist, als von Anfang an allgemein angenommen wurde. Er hat Covid-19-Patienten in ihren eigenen vier Wänden besucht, Abstriche gemacht, besonders Türklinken hatten es ihm angetan. Ergebnis: Nichts. Ja, noch nicht mal alle im Haus befindlichen Familienmitglieder haben sich angesteckt.

Sicher, hier ist die Rede von der Heinsberg-Studie, die dann ja schnell in Verruf geriet. Sie sei womöglich nicht nach allen Standards der Wissenschaft erfolgt. Das kann sein, das müssen Akademiker beantworten. Dennoch kann man ja nicht leugnen, dass die Studie so oder so praktische Resultate zeitigte. Sie hat aufgezeigt, dass Covid-19 nicht Ebola oder die Pest ist, also keine dieser Krankheiten, die quasi per Wimpernschlag weitergegeben werden.

Selbst die kurzzeitige Überwindung des Abstandsgebotes ist demnach noch kein Problem. Wer die 1,5 Meter mal kurz unterschreitet, der hat nicht gleich die Übertragung angeschoben. Dass das aber so ist, glauben offenbar noch immer viele Menschen. Die Regeln, die ja nicht immer und nicht überall falsch sind, die man nicht per se als Mumpitz abtun sollte, scheinen die Sinnstiftung des Augenblicks zu sein. An irgendwas muss man sich ja klammern können.

Der Hygieneplan ist die Symbolik einer Haltung, die so tut, als wäre der interne Ablauf strukturiert, durchdacht, unfehlbar und damit sicher. Er muss daher gar nicht in sich schlüssig, ja auch nicht logisch sein.

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