Schöne neue Arbeitswelt dank Corona?

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07-08-20 09:09:00,

Amazon: 20’000 qualifizierte Mitarbeitende, 900’000 schlecht bezahlte Hilfskräfte …

Helmut Scheben / 07. Aug 2020 –

Eine kurzsichtige Prognose, meinen manche Psychotherapeuten, Juristen und Sozialwissenschafter.

Homeoffice als Chance für die Zukunft. Nichts wird mehr sein wie vorher. Corona wird unsere Arbeitswelt verändern. So oder ähnlich lauten die Titel der Zeitungen. Vor der Coronakrise arbeitete nur etwa jeder vierte Schweizer gelegentlich im Homeoffice. In den vergangenen Monaten war es auf einmal jeder zweite. Mark Zuckerberg prognostiziert, dass in zehn Jahren jeder zweite Beschäftigte bei Facebook ausserhalb des Büros arbeiten werde.

Die Neue Zürcher Zeitung berichtet, bei der Credit Suisse habe es kaum Probleme bei der IT oder im Tagesgeschäft gegeben. Rund 90 Prozent der Credit-Suisse-Mitarbeiter seien in den zurückliegenden Wochen von zu Hause aus tätig gewesen. Auch bei der UBS sei mit Homeoffice alles rund gelaufen. Fazit: «Viele sind offenbar selbst überrascht, wie reibungslos das pandemiebedingte Experiment in Echtzeit geklappt hat.» (NZZ, 4.6.2020)

Hat man richtig gelesen? «Experiment in Echtzeit»? Es gehört ein wenig Mut dazu, diesen Begriff zu verwenden. Denn genau das ist es, was Kritiker der Corona-Lockdown-Politik einem weltweit vernetzten Polit-Establishment vorwerfen. Man habe das Virus als Vorwand für ein Feldexperiment benutzt, um zu sehen, wie sich die Bevölkerung im Falle eines Falles verhalten wird. Hypothesen dieser Art wurden von Behörden und Medien – kaum überraschend – unisono als Verschwörungstheorie abgetan.

Die zahlreichen Fachleute, die die mit Covid-19 begründeten Zwangsmassnahmen skeptisch beurteilen, reden aber nicht von der Hypothese einer geheimen Weltregierung oder ähnlichem Unsinn, sondern von der Gefahr, dass die galoppierende Digitalisierung des gesellschaftlichen Lebens einen Überwachungs- und Kontrollstaat hervorbringen könnte, in dem Citoyennes und Citoyens schneller als sie glauben in einen «freiwilligen» Zustand der Hörigkeit geraten.

Im linken Spektrum der Politik gibt es seit längerem starke Vorbehalte gegen die rapide Digitalisierung der Arbeitswelt. Der an der Freien Universität Berlin lehrende Psychologe und Psychoanalytiker Klaus-Jürgen Bruder kommt zu dem Schluss, die Corona-Krise habe der «Durch-Digitalisierung» der Gesellschaft einen Schub verliehen, wie er bislang undenkbar war. In fast diktatorischer Weise sei ein medizinischer Notstand behauptet worden. Die Politiker hätten aus der Existenz eines Virus, das nicht mehr Opfer fordere als eine starke Grippewelle, Erlaubnis und Rechtfertigung für viel zu tief greifende und viel zu wenig differenzierte Massnahmen hergeleitet. Durch offiziell verordnete Panikmache habe sich «eine sinnvolle Realangst (mit angemessener Vorsicht als Folge) für viele in eine nahezu neurotische Angst verwandelt.»

Man habe das Virus zum äusseren Feind und grausamen Subjekt des Pandemie-Regimes erklärt und damit die Dinge auf den Kopf gestellt: «Nicht das Virus ist es,

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