Kinderarmut: Medien berichten zu oberflächlich und mit zu wenig Nachdruck

kinderarmut:-medien-berichten-zu-oberflachlich-und-mit-zu-wenig-nachdruck

09-08-20 06:40:00,

Kinderarmut – dieser Begriff taucht in den Medien immer mal wieder auf. Meistens berichten Journalisten darüber, wenn neue Studien darauf verweisen, wie real Armut unter Kindern in diesem reichen Land ist. Zahlen, Daten, Fakten: Darauf springen Medien an. Das ist verständlich. Doch die Berichterstattung ist zu oberflächlich, sie bleibt im Alibi-Modus, es fehlt am Nachdruck. Ein Kommentar von Marcus Klöckner.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Podcast: Play in new window | Download

Kürzlich kam wieder so ein Tag, an dem das Thema Kinderarmut die Aufmerksamkeit von Journalisten erregt hat. Anlass war eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung, wonach rund 2,8 Millionen Kinder in Deutschland in Armut leben, also über 21 Prozent aller unter 18-Jährigen.

Lokale, regionale und bundesweit erscheinende Medien berichteten. „Kinderamut in Deutschland – Armutsverschärfer Corona“, lautete die Überschrift bei der Zeit. „Bertelsmann-Studie: Kinderarmut trifft Millionen“, heißt es bei der Leonberger Kreiszeitung. „Bertelsmann-Studie zur Armut – Das Geld, armen Kindern zu helfen, fehlt nicht“, lautet die Überschrift eines Deutschlandfunk-Kommentars. Wer bei Google news den Begriff Kinderarmut eingibt, findet zahlreiche Treffer. Anders gesagt: Den Medien kann man auf den ersten Blick nicht vorwerfen, das Problem der Kinderarmut nicht zu thematisieren. Doch wer sich mit dem Thema schon länger auseinandersetzt, fällt auf: Es ist wie bei so manch anderem wichtigen Thema auch – Berichterstattung ist nicht gleich Berichterstattung.

Der Alibi-Modus vieler Medien

Die Berichterstattung zum Thema Kinderarmut kommt in Wellen. Wobei diese Wellen – und das ist eines der Probleme – nicht sonderlich hoch sind. Richtig ist: Medien platzieren das Thema durchaus auch prominent, allerdings fehlt der Berichterstattung etwas, was dringend nötig wäre, um Politik zu einem konsequenteren Handeln zu bewegen. Was fehlt ist der Druck. Zwar erzeugen prominent platzierte Artikel durchaus Aufmerksamkeit und dadurch eben auch einen kurzfristigen Druck, doch der Druck, der notwendig ist, um dafür zu sorgen, dass Politik das Problem der Kinderarmut nicht nur im Alibi-Modus angeht, entsteht nicht dadurch, dass hin und wieder Medien für einen Tag in der Berichterstattung auf die Kinderarmut verweisen.

Nachhaken ist gefragt. Immer und immer wieder. Journalisten müssen Politiker bei Interviews und Pressekonferenzen stellen, nicht aus der Verantwortung lassen.

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: