Libanon vor dem Kollaps?

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09-08-20 07:32:00,

Das einstige Wohlstandszentrum des Nahen Ostens läuft Gefahr, sich in einen hungergeplagten “Failed State” zu verwandeln. Ein Kommentar

Die Ineffizienz und Widersprüchlichkeit des maroden spätkapitalistischen Wirtschaftssystems kann gerade in Krisenzeiten buchstäblich massenmörderische Folgen haben, wie das Beispiel des Libanon gerade krass illustriert. Längst geht es für viele Libanesen um das blanke, physische Überleben. Der Hunger macht sich breit in der einstigen Wohlstandsinsel des Nahen Ostens.

Wie entfaltet sich solch eine kapitalistische Hungersnot? Der Ministerpräsident des Libanon, Hassan Diab, warnte schon Ende Mai vor einer Hungerkatastrophe in seinem krisengebeutelten und auf Lebensmittelimporte angewiesenen Land, die noch vor wenigen Jahren “unvorstellbar” schien. Viele Libanesen hätten schon aufgehört, “Fleisch, Früchte und Gemüse” zu kaufen, so Diab, doch bald würden sich seine Landsleute kaum noch Brot leisten können.

Libanesische Lebensmittelimporteure berichteten, dass sie aufgrund rasch schwindender Dollar-Reserven zunehmend Probleme hätten, die notwendigen Grundnahrungsmittel auf dem Weltmarkt zu erwerben. Wenn der Trend sich fortsetze, würde es “innerhalb von zwei Monaten” nicht mehr möglich sein, auch nur das Allernotwendigste für das rasch wachsende Armenheer des Landes, das einstmals eine breite Mittelschicht aufwies, auf dem Weltmarkt einzukaufen, warnte ein Importeur Ende Mai. Man brächte rund “fünf Millionen US-Dollar täglich”, um die Grundversorgung des Libanon zu decken, dies gestalte sich aber zunehmend schwieriger.

Keine Dollars? Kein Essen! Mehr als zwei Monate später kann die mörderische Wirkung der heiligen Gesetze der kapitalistischen Marktwirtschaft in dem kollabierenden Land bewundert werden: Laut Nichtregierungsorganisationen sind allein im Großraum Beirut rund 910.000 Menschen nicht mehr in der Lage, die allernotwendigsten Lebensbedürfnisse zu stillen. Hierunter befänden sich 564.000 Kinder, deren Familien sich kaum noch “Grundnahrungsmittel, Elektrizität, Kochgas, Hygieneartikel oder Trinkwasser” leisten könnten. Rund 20 Prozent der Bürger des Libanon würden bereits Mahlzeiten auslassen oder tagelang schlicht nichts essen, heißt es unter Verweis auf jüngste Umfragen. Bei den im Libanon lebenden syrischen Flüchtlingen wären es sogar 33 Prozent.

Inzwischen mehren sich Warnungen vor massenhaften Hungertoten im Libanon, vor einer Hungersnot, die das durch prekäre machtpolitische Deals zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen geprägte Land vollends politisch kollabieren ließe. Gegen Ende des Jahres könnten bis zu 75 Prozent der Bevölkerung von Lebensmittelhilfen abhängig sein, doch es sei absolut unklar, ob dann Nahrungsmittel zur Distribution zur Verfügung stünden, erklärte ein NGO-Mitarbeiter gegenüber dem britischen Telegraph: “Mit Sicherheit werden wir in ein paar Monaten ein schlimmes Szenario sehen,

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