Der antiimperialistische Iran wird wieder imperialistisch, von Thierry Meyssan

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11-08-20 09:05:00,

Thierry Meyssan setzt seine Studie über den zeitgenössischen Iran fort und zeigt, wie Teheran das 0antiimperialistische Ideal der Revolution von 1979 wieder aufgegeben hat, um zu seiner imperialen Politik zurückzukehren. Dieser Artikel, wie auch der vorhergehende, enthält viele unbekannte Elemente. Er führt zu einer erstaunlichen Hypothese.

Dieser Artikel ist die Fortsetzung von: „Der imperialistische Iran wird antiimperialistisch“, von Thierry Meyssan, Voltaire Netzwerk, 4. August 2020.

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Auf der Tribüne der Vereinten Nationen fordert Mahmoud Ahmadinedschad eine internationale Untersuchung der Anschläge vom 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten. Seine Intervention löst Panik in Washington aus, von wo aus Präsident Barack Obama sich sofort an die Iraner wendet und die weiße Flagge hisst.

Die Jugend, die ihr Blut für das Land vergossen hat, wird erwachsen. Ein ehemaliger Offizier der Sondereinheiten der Revolutionsgarden, Mahmud Ahmadinedschad, der damals 51 Jahre alt war, wurde zum Präsidenten der Republik gewählt. Wie Khomeini unterhält er konfliktreiche Beziehungen zum Klerus, zumal dieser während des Krieges nur seine eigenen Kinder beschützt hat. Er beabsichtigt, den Kampf gegen die Ungerechtigkeit wieder aufzunehmen und das Land zu modernisieren. Er ist Ingenieur und Technikprofessor von Beruf und stattet den Iran mit einer leistungsfähigen Industrie aus. Er unternimmt ein umfangreiches Bauprogramm im ganzen Land, um den Slums ein Ende zu setzen. Auf internationaler Ebene verbindet er sich mit dem Venezolaner Hugo Chávez und dem Syrer Baschar al-Assad, um den westlichen Imperialismus in Frage zu stellen. Diese drei Länder werden plötzlich das Zentrum des internationalen diplomatischen Spiels mit der diskreten Unterstützung des Heiligen Stuhls.

Trotz der schmerzhaften Erinnerung an den Krieg, den der Irak dem Iran aufgezwungen hat, hilft Ahmadinedschad dem irakischen Widerstand gegen die US-Aggression, ohne zwischen Sunniten und Schiiten zu unterscheiden, und dann dem syrischen Widerstand gegen die Dschihadisten. Aber er gerät in Konflikt mit seinen eigenen iranischen Verbündeten, erstens wegen seines Engagements an der Seite der irakischen Sunniten und der syrischen Laien, und dann, weil er dem antiken Iran mehr Bedeutung beimisst als dem des islamischen Zeitalters, und schließlich, als er versucht, die Rasur der Bärte zuzulassen und den islamischen Schleier fakultativ zu machen. Er bedroht also unmittelbar die Macht des Klerus und des Führers der Revolution, Ajatollah Ali Khamenei. Anlässlich seiner Wiederwahl organisieren Chatami und ein Sohn Rafsandschanis mit der CIA einen Aufstand der Bourgeoisie von Teheran und Isfahan.

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